Wie Roboter gegen COVID-19 schon jetzt eingesetzt werden

Zum tatsächlichen Einsatz von Robotern im Kampf gegen das Coronavirus, über den wir schon geschrieben haben, kann Prof. Dr. Murphy aus Texas etwas konkreter berichten und tat dies bei IEEE Spectrum. Murphy ist Professorin an der Texas A&M University, sowie Direktorin des Center for Robot-Assisted Search and Rescue (CRASAR). Sie kennt sich mit Robotern im Einsatz bei Katastrophen also durchaus aus.

Im nachfolgenden Bild ist eine interessante Übersicht zu sehen, in wie vielen Ländern denn nun wirklich schon Roboter für welche Zwecke eingesetzt werden. Roboter sind dabei in fünf Anwendungsbereiche eingeteilt, deren konkrete Aufgaben jeweils in der Spalte von oben nach unten in absteigender Häufigkeit einsortiert sind.

Tatsächlicher Einsatz von Robotern im Kampf gegen COVID-19 in fünf Kategorien, jeweils von oben nach unten in abnehmender Häufigkeit. [R. Murphy, V. Gandudi/Texas A&M; J. Adams/Center for Robot-Assisted Search and Rescue]

Erstaunlicherweise sind in den meisten Ländern (in insgesamt 16) Roboter im Einsatz, die sich im öffentlichen Raum bewegen und dort zum Beispiel helfen, Quarantäne-Maßnahmen durchzusetzen (am häufigsten) oder öffentliche Plätze zu desinfizieren. Das finde ich in sofern erstaunlich, dass a) der öffentliche Raum für Roboter potentiell die komplizierteste und unsicherste Umgebung ist und b) mir in Deutschland diese Vorstellung doch im Moment noch eher fremd erscheint.

In der nächst-häufigen Kategorie, klinische Pflege, sind auch Roboter zum desinfizieren verbreitet sowie – wie wir schon orakelt habenTelepräsenzroboter. Eine weitere stark vertretene Klasse von Robotern, die gleich in drei Anwendungsfällen (die drei rechten Spalten in der Grafik) vertreten ist: Lieferroboter.

Unabhängig von dem tatsächlichen Einsatz des Roboters merkt Dr. Murphy allerdings noch an, dass die unmittelbar nützlichsten Roboter ohnehin einfach diejenigen sind, die es schon gibt und an deren Nutzung sich die Menschen schon gewöhnt haben.

The most effective robots right now, she adds, are the robots that already exist, that people are already comfortable using, that have low activation energy, and that can scale up to be immediately useful.

Dr. Robin Murphy

Mehr dazu findet sich im lesenswerten (englisch-sprachigen) Artikel bei IEEE Spectrum – New Consortium Mobilizes Roboticists to Help With COVID-19 and Future Crises, sowie noch ausführlicher und mit wissenschaftlichen Belegen bei roboticsforinfectiousdiseases.org.

Wegen Coronavirus: Telepräsenzroboter ersetzen in Japan Studenten bei ihrer Abschlussfeier

Kürzlich haben wir über den verschiedenen Einsatzmöglichkeiten von Robotern in der Coronavirus-Pandemie geschrieben. Dabei haben wir insbesondere von möglicherweise verstärkter Nutzung von Telepräsenzrobotern fabuliert. Ein kurioses Beispiel dafür gibt es jetzt in Japan, an der Business Breakthrough (BBT) University in Tokyo. Dort haben bei einer Abschlussfeier nämlich Telepräsenzroboter die Studenten ersetzt und an deren Stelle die Abschlussurkunden entgegengenommen. Natürlich feierlich in Robe gekleidet:

Die Gesichter der jeweiligen Studenten wurden dafür auf die Bildschirme der Roboter gestreamt und die Studenten konnten am Laptop der Veranstaltung beiwohnen. Besonders skurril wird es – wie im Vorschaubild zu sehen – als auch ein Abschlussbild mit den Robotern statt den echten Studenten gemacht wird.

Auch wenn der Flair einer echten Abschlusszeremonie sicher nicht aufkommt … der Zweck, größere Versammlungen zu vermeiden, ist erfüllt. Die Studenten haben wohl außerdem eine lustige Partygeschichte (und Fotos davon) für den Rest ihres Lebens.

Jaaa, er lebt noch!

Nein, gemeint ist hier nicht der Holzmichl, sondern mein erster Staubsaugerroboter. Am 7. August 2009 habe ich meinen Roomba 580 gekauft. Damit war ich schneller als Arne, was auf botzeit gut dokumentiert ist, und er tut heute noch seinen Dienst. Wie in jeder Beziehung hat auch meine Geschichte mit Roomba Höhen und Tiefen erfahren.

Der gute alte 580
Wie man sieht, hat dieser 580 so einige Duelle mit meinen Fußleisten und Möbeln ausgefochten.

Anfängliche Wutanfälle

Bis sich der neue Roboter an seine neue Umgebung gewöhnt hat, dauert es eine Weile. Das kann dazu führen, dass ein nicht kompatibler Teppich unweigerlich die Wohngemeinschaft verlässt, nachdem er von Roomba spontan zerpflückt worden ist. Einen ähnlichen Fall hat Arne ja beispielsweise hier dokumentiert. Aber diese Phase ging bei uns schnell vorbei und es kehrte bald Harmonie ein.

Der Akku – Plötzliche Appetitlosigkeit

Etwa alle anderthalb Jahre verliert der kleine seinen Appetit und wirkt etwas launisch und kraftlos. Das heißt, Roomba lädt nicht mehr richtig und saugt auch nicht mehr die ganze Wohnung. Das ist dann für mich das Zeichen, wieder einmal einen neuen Akku zu kaufen. Den gibt es bei einem wohlbekannten börsennotierten Onlineversandhändler mit einer breit gefächerten Produktpalette. Diverse Anbieter verkaufen Nachbauten um etwa 30 €. Originale gibt es für etwas mehr Geld. Bisher habe ich noch nie ein Problem mit den Nachbauten gehabt.

„Fehler 9“ – Das verflixte siebte Jahr

Unsere schwerste Krise hatten wir — ganz klassisch — im verflixten siebten Jahr. Urplötzlich drehte Roomba buchstäblich am Rad und bewegte sich nur noch im Kreis. Es stellte sich heraus, dass es an einer altersschwachen Infrarot-Diode und / oder einem altersschwachen Fototransistor lag. Die Diode und der Transistor bilden das Herzstück der Bumper. Sie lassen Roomba erkennen, dass er gegen ein Hindernis gefahren ist. Die besagte Symptomatik ist auch als „Fehler 9“ bekannt. Es kann mit etwas handwerklichem Geschick, etwas Zeit, einem Schraubendreher und einem heißen Lötkolben für unter 5 € behoben werden. Also habe ich mir eine Flasche Bier aufgemacht und meinen Roomba damals nach der Reparaturanleitung von Andy Dunkel (vielen Dank!) kuriert:

Roomba Fehler 9–Reparaturanleitung

Wer schon einmal bei einem Neuwagen nach ersten paar tausend Kilometern ein Abblendlicht gewechselt hat, der ahnt was jetzt kommt. Richtig, weniger als ein Jahr später hat Roomba einen Rückfall. Die gleiche Symptomatik, mit anderer Drehrichtung… Als ich den kleinen aufgeschraubt und bis auf seine intimsten Platinen zerlegt hatte, hätte ich gleich auch den anderen Bumper reparieren sollen. Glücklicherweise hatte ich ein paar Dioden und Fototransistoren extra gekauft. Bier war auch noch im Kühlschrank…

Hat er einen anderen?

Seit dem läuft es eigentlich gut in unserer Beziehung. Wenngleich ich zugeben muss, hin und wieder mal mit meinen Gedanken „bei einem anderen“ zu sein. Beim HiWi Job im Studium durfte ich an Sparse Visual SLAM Algorithmen mit Omnidirektionalen Kameras mitentwickeln. Die habe ich dann auf einem Pioneer Roboter erprobt. Dann habe ich bei einem großen Technologieunternehmen in der Entwicklungsabteilung genau daran weitergearbeitet. Obwohl ich heute in einem etwas anderen Teilgebiet der Robotik unterwegs bin, könnte ich mir einen neuen Staubsaugerroboter kaufen, der das alles mitbringt. Das juckt mich natürlich schon…

Dennoch bleibe ich meinem alten Roboter treu. So lange er noch tut, bleibt er der einzige Staubsaugerroboter in meinem Leben.

Reparier‘ Deinen Staubsaugerroboter

Vielleicht eine gute Beschäftigung an einem langweiligen Abend in Covid-19-Isolation? Wenn Du noch einen alten Roboter rumstehen hast, versuche ihm doch wieder Leben einzuhauchen.

Und wenn er nicht gestorben ist, dann saugt er die Wohnung auch morgen noch…

In diesem Sinne: Frohe Ostern!

NotMyRobots – Interview mit Arne Maibaum

(this interview is available in English)

Schon seit längerem geplant und jetzt in Vorbereitung eines längeren Artikels endlich mal dazu gekommen: ein Interview mit Arne Maibaum von NotMyRobots über NotMyRobots.

HAL
HAL 9000, augenzwinkerndes Logo von NotMyRobots [Quelle]

Ich bin eigentlich nur mit einigen, wenigen Fragen ins Interview gegangen, rund um eine Kernfrage in Vorbereitung meines Artikels. Das Gespräch hat dann aber doch insgesamt fast eine Stunde gedauert und war extrem interessant. Es ging um den Terminator und Roboter, die uns die Jobs weg nehmen, aber auch um viele unerwartete Aspekte wie Sexismus, Rassismus und Epistemologie. Wie Arne Maibaum zum Ende des Gesprächs sagt: „Das kommt davon, wenn man mit SozialwissenschaftlerInnen redet.“ Hier also das ganze Interview:

Ich: Hallo, Arne! Für alle, die es noch nicht kennen: Was ist NotMyRobots überhaupt?

Arne Maibaum: Wir haben ja auch eine kleine Beschreibung in unserem Twitter-Profil und auf unserer Website. Vor allem auf Twitter haben wir gesehen, dass wahnsinnig viele ganz fürchterliche, unrealistische, aber vor allem auch tatsächlich falsche Visualisierungen für populärwissenschaftliche Robotik-Artikel benutzt werden. Allerdings teilweise auch in Teasern zu wissenschaftlichen Artikeln. Das sind unrealistische Bilder in Artikeln zu Robotern, aber auch – in letzter Zeit immer mehr – in Artikeln zu AI, die ja häufig auch mit Robotern bebildert werden.

Google-Bildersuche nach'Robot AI'
Beispielhafte Google-Bildersuche nach ‚Robot AI‘

‚Wir‘ sind dabei Philipp, Lisa, Laura und ich. Phillip und ich arbeiten bei einer Robotikgruppe an der TU Berlin. Laura und Lisa sind in München und arbeiten auch aus einer sozial- bzw. kultur-wissenschaftlichen Perspektive an dem Thema Robotik. Phillip und ich sind zwar beide Soziologen, sind aber in der Mensch-Roboter-Interaktion gelandet. Wir haben alle schon immer diese Bilder gesammelt. Das heißt, alle von uns hatten ohnehin schon so eine kleiner Galerie des Schreckens in der Hand. Lisa widmet sich außerdem in ihrer Arbeit dem Roboter in der Popkultur der Amerikanischen Geschichte. Das heißt, sie hat das auch in Ihrer Dissertation benutzen können.

Aus diesem Konglomerat haben wir uns dann überlegt, dass wir das in irgendeiner Weise publik kritisieren müssen. Als eine Maßnahme dafür haben wir den Twitter-Account @NotMyRobots gegründet, der versucht, auf Twitter aufzuzeigen, wenn diese Symbolbilder verwendet werden. Wenn uns jemand solche Bilder über den Hashtag #notmyrobot zuträgt, das machen mittlerweile ziemlich viele, re-tweeten und sammeln wir die. Je nach Bild versuchen wir auch mit eigenen kritischen Kommentaren aufzuzeigen, warum wir das nicht gut finden.

Wie sind die Leute auf Euch gekommen? Also wie ist das passiert, dass da jetzt mittlerweile so viele mithelfen?

Ich denke mal, viele Robotiker stört das ganz gewaltig. Ich glaube aber auch, gerade viele Leute, die aus den Humanwissenschaften kommen, sind da auch extrem sensibel für. Viele von denen haben solche Bilder auch vorher schon immer gesehen und den Kopf geschüttelt. Da ergibt sich dann eine gewisse Anzahl von Leuten, die dieses Problem auch sehen und denen unsere Initiative gefällt. Die nutzen dann unseren Hashtag oder taggen uns.

Das ist interessant. Mir fallen diese Bilder natürlich auch seit Jahren auf, mindestens seitdem ich selber in der Robotik bin. Ich rolle dann auch mit den Augen, habe aber nie wirklich reflektiert, dass das wirklich schädlich ist. Warum ist das denn so schlecht?

Also wovon wir immer ausgehen ist, dass Technik nicht aus dem leeren Raum kommt und Roboter nicht einfach so gebaut werden, wie es die Technik empfiehlt. Sondern, und das ist jetzt die soziologische Perspektive, Technik ist immer mensch-gemacht und immer sozial konstruiert. Als ein solches ist sie natürlich auch Aushandlungsprojekt davon, wie die Gesellschaft Robotik und Roboter sieht. In die Kommunikation darüber, wie so eine Technologie konstruiert wird, spielt natürlich Visualisierung eine große Rolle. Bei Pflegerobotern zum Beispiel sehen wir zwei Erwartungen, die stark mit Visualisierungen gekoppelt sind:

Als allererstes ist da immer der Terminator-Roboter, der aus irgendwelchen Gründen bei Robotik-Artikeln immer wieder auftaucht. Damit geht die Erwartung einher, dass zukünftige Roboter eiskalt sein werden und potentiell tödliche Maschinen sind, mit Metallgreifern, die nach uns greifen wollen. Das ist natürlich das Horrorszenario, das schürt Angst und führt dazu, dass Leute damit nichts mehr zu tun haben wollen.

Eines meiner liebsten Beispiele ist aus einem Projekt, in dem ich als Student tätig war. Wir hatten autonom fahrende Transportsysteme, die in Krankenhäusern zum Beispiel zum Transport von Wäschekisten eingesetzt wurden: der Casero-Roboter. Die sollten dann auf einer Bohrinsel eingesetzt werden, also bei Männern, die über viele Kilometer explosionsfähiges Material anbohren. Die haben sich aber strikt geweigert, einen solchen Roboter auf ihre Bohrinsel zu nehmen, weil sie Angst davor hatten, dass der sie alle umbringt. Dieses Bild kommt natürlich durchaus aus der Science-Fiction und dieser Angst, einer solchen Maschine ausgeliefert zu sein. Und wenn wir dann Artikel sehen, die so ein Bild unter ‚Roboter sollen uns helfen‘ setzen, ist das natürlich inhärent problematisch dafür, wie die Technik wahrgenommen wird. Das hat natürlich dann auch Einfluss auf Fördergelder usw.

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DLR-Roboter Justin ruft Kinder auf: „Bastelt einen Roboter!“

Das Deutsche Luft- und Raumfahrtzentrum (DLR) hat sich eine tolle Aktion für Kinder einfallen lasse, die sich möglicherweise zur Zeit langweilen: #RoboterAtHome. DLR’s Roboter Justin ruft Kinder dazu auf, zuhause Roboter zu bauen und zu basteln und ihm Bilder davon zu schicken. Justin ist nämlich im Moment allein und ihm ist auch langweilig.

Es sind mittlerweile schon einige Einsendungen beim DLR eingetroffen. Hier sind einiger der eingesendeten, gebauten und gebastelten Roboter von der flickr-Seite des DLR:

#RoboterAtHome

Kreative Roboter und eine sehr schöne Idee vom DLR. Also: Roboter bauen und basteln, fotografieren und dann schicken an: machmit@dlr.de!

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