OroBOT lässt 300 Millionen Jahre alte Echse krabbeln

Einer der faszinierendsten Aspekte in der Robotik ist, dass man mit ‐ zugegeben mitunter viel ‐ Arbeit so viele verschiedene Dinge experimentieren und ausprobieren kann. Ein besonders leuchtendes Beispiel tigert seit gestern durch die Presse: Forschern der EPFL in Lausanne und der EPFL and Humboldt-Universität zu Berlin ist es gelungen, anhand von Fossilien und versteinerten Fußabdrücken den wahrscheinlichen Gang eines 300 Mio. Jahre alten echsenartigen Tieres zu rekonstruieren.

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Der Roboter OroBOT, der den Gang der 300 Mio. Jahre alten Echse nachahmt. [Tomislav Horvat / Kamilo Melo / EPFL Lausanne]

Die Gruppe aus Lausanne um Auke Ijspeert, mit denen ich auch im AMARSi-Projekt das Vergnügen der Zusammenarbeit hatte 1, ist seit Jahren erfolgreich mit dem Rekonstreieren von – menschlichen und tierischen – sogenannten Central Pattern Generators (CPG, deutsch in etwa „zentrale Mustergeneratoren“). CPGs sind Bereiche im Rückenmark, rhythmische Muskelkontraktionen erzeugen, wie sie zum Beispiel zum Krabbeln und Laufen notwendig sind und die man auch auf Robotern nachahmen kann.

Bislang wurde diese Technik hauptsächlich zum Nachahmen menschlicher und aktueller tierischer Bewegungsmuster genutzt. Dass damit jetzt zusammen mit den Berliner Forschern die Rekonstruktion so alter Bewegung möglich ist und man mit etwas Vorstellungskraft einer 300 Mio. Jahre Echse beim Krabbeln zusehen kann, ist eine so coole neue Anwendung davon.

Ob wir so etwas bald in Naturkundemuseen sehen werden? Noch etwas Haut über das Skelett des OroBOT und in der richtigen Kulisse … Wahnsinn!

Ich bin dafür und kann es ehrlich gesagt kaum erwarten!

A robot recreates the walk of a 300-million-year-old fossilized animal.

Mehr dazu direkt bei der EPFL (englisch) oder auch bei Spiegel Online.

Frohe Weihnachten und schöne Feiertage!

Merry Christmas!

Robotische Weihnachtsgrüße vom Robotic Systems Lab der ETH Zürich

botzeit und das Robotic Systems Lab (RSL) der ETH Zürich wünschen frohe Weihnachten und schöne Feiertage!

Dawn ver.β

Ich glaube, ich werde bei Ge­le­gen­heit mal eine neue Ka­te­gorie in diesem Blog einführen, in die ich Artikel über Ent­wick­lungen einsortiere, die zu meiner Kindh­eit, Jugend oder – wie im heutigen Bei­spiel – auch in den letzten Jahren wie Science Fic­tion klangen, jetzt aber Wirk­lich­keit geworden sind. Eine Ka­te­go­rie „Die Zu­kunft ist da“ oder „Science Non-Fiction“ oder so. Dieser Artikel handelt von einem rüh­ren­den Bei­spiel, das gerade dieser Tage in Tokyo Wirk­lich­keit wird. Dort hat am 26. No­vem­ber das Cafe DAWN ver.ß er­öffnet, in dem Gäste aus­schließ­lich von Ro­bo­tern be­dient werden, die von ge­lähm­ten Personen fern­ge­steuert werden.

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Der Roboter OriHime-D bei der Arbeit, kellnernd, ferngesteuert von einer gelähmten Person aus ihrem Bett.

Dass in einem Re­stau­rant oder Cafe von Roboter gekellnert wird, klingt selbst schon nach Science Fiction, ist den Robotik-Inte­res­sier­ten aber mit­tler­weile einigen Orten auf der Welt bekannt. Dass diese Roboter aber nicht einfach eine tech­nische Aufgabe erfüllen, sondern in diesem Fall ge­lähm­ten Personen die Mög­lich­keit bieten, in einer Form an der Ge­sell­schaft teilzunehmen, wie sie es sonst nicht einfach tun könnten. Von zu Hause, im Bett legend, haben Sie die Chance, einer bezahlten Arbeit nach­zu­gehen und über den Roboter mit fremden Menschen in Kontakt zu treten. Wer sich hier nicht an „Surrogates– Mein zweites Ich erinnert fühlt … und diese Zukunfts­vision ist nicht einmal zehn Jahre alt, vom September 2009.

Das Cafe ist übrigens erst ein einmal nur ein Ex­pe­ri­ments zusam­men mit dem Robotik-Startup Ory und endet bereits am 7. De­zember diesen Jahres. Ich finde, es ist trotz­dem ein Blick in die Zukunft und eine wun­der­bare An­wen­dung der Robotik. Wer weiß, was daraus noch wird.

Kurzes Video aus dem Cafe.

Die Zukunft ist da. Und hier setzt sie Technologie zum Wohle von Menschen ein.

Mehr Infor­matio­nen und Videos gibts bei soranews24.com.

World’s Coolest Robots ‐ All in One Place

Die Robotik-Landschaft ist um eine weitere Website reicher, die es in sich hat. https://robots.ieee.org ist eine (zur Zeit noch aus­schließ­lich eng­lisch­spra­chige) Sammlung von über 200 Robotern aus 19 Ländern und enthält alles, was in der Robotik Rang und Namen hat: ASIMO, Aibo, Pleo, … viele Roboter, die hier im Blog auch schon Thema waren, z.B. Roomba, iCub, der gruse­lige CB2, der nied­liche Keepon, usw.

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Quelle: IEEE Spectrum

Alle Roboter sind mit fantas­tischen Bildern, Videos und Hinter­grund­in­for­ma­tionen aus­ge­stat­tet (im Moment noch alles auf Englisch). Bei ASIMO lassen sich zum Beispiel die Proto­typen sehen, die Honda seit dem Start seiner Ent­wick­lung 1986 gebaut hat.

Die Website ist eine wunder­bare Samm­lung, die weiter wachsen wird und unter Anderem zum Ziel hat, Schüler für Roboter und damit für (Ingenieurs)-Wis­sen­schaf­ten, Ma­the­ma­tik und Tech­nik zu be­gei­stern.

Stöbern lohnt sich! Hier gehts lang: https://robots.ieee.org

Linktipp: Eine kurze Geschichte der Automatisierung

Via @Generation Robots DE auf twitter bin ich auf einen Artikel der elektro­technik auf­merk­sam geworden. Der Artikel
Die Geschichte der Automatisierung“ ist eine tolle Zeit­reise, an­ge­fan­gen im Januar 1968 mit den ersten Ideen für speicher­pro­gram­mier­bare Steue­rungen (SPS) bis hin zum mo­der­nen Inter­net of Things (IoT).

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Räderwerke als Beispiel früher Automatisierung.

Streng­genommen startet der Artikel sogar in der Antike mit Huldi­gung der Göttin „Automatia“ und Räder­werken von antiken Automaten-Theatern. Es geht durch die Zeit über die Dampf­maschine, SPS, die 1980er Jahre mit den ersten PCs für Com­puter Inte­grated Manu­factu­ring, und so weiter…

Kein langer Ar­ti­kel, son­dern ein kurzer, unter­halt­sa­mer Abriss:
Die Geschichte der Automatisierung“.

Googles AlphaGo schlägt Großmeister in Go – Ein Meilenstein für die Künstliche Inteligenz?

Nachdem IBMs Deep Blue schon vor mittlerweile 20 Jahren den Schach-Großmeister Gary Kasparov geschlagen hat, galt das chinesische Brettspiel Go als die nächste große Herausforderung für künstliche Intelligenz. Go-Großmeister zu schlagen, progostizierte man noch bis vor einem Jahr, würde noch mindestens 10 Jahre dauern. Nachdem AlphaGo, die künstliche Intelligenz von Google für das Spielen von Go im Januar schon Fan Hui, den Go-Europameister, geschlagen hat, musste sich nun auch der Koreaner Lee Sedol, einer der weltbesten Go-Spieler, 3:0 geschlagen geben.

Wie schon der Sieg im Schach, wird dies vielfach als weiterer Meilenstein der künstlichen Intelligenz gefeiert. Aber ist es das? Ist es ein Meilenstein oder durch die stetig wachsende Rechenpower und mehr Effizienz beim machinellen Lernen zu erklären?

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AlphaGo

AlphaGo wurde mit Millionen von Go-Spielen trainiert, von denen AlphaGo lernen konnte, welche Züge erfolgversprechend sind und zum Sieg führen. Darauf aufbauend spielte AlphaGo mehrere Millionen Spiele gegen sich selbst und sammelte so immer mehr Erfahrung. Als AlphaGo jetzt also gegen Lee Sedol spielte, hatte es viele Millionen Spiele gespielt, mehr als ein einzelner Mensch in seiner gesamten Lebenszeit spielen könnte. Ist es dann also besser als ein Mensch?

Schlaue Menschen sprechen in diesem Kontext von Daten-Effizienz: also wieviele Daten, in diesem Fall Erfahrung von vergangenen Go-Spielen, benötigt werden, um etwas zu erlernen. Während AlphaGo also um Größenordnungen mehr Spiele spielen musste, hat Lee Sedol das Spiel aus sehr viel weniger Erfahrung beherrschen gelernt.

Daten-Effizienz beim Lernen ist eine der Stärken von Menschen. Während selbst die effizientesten Deep Learning-Verfahren zum Beispiel noch mehrere tausend Beispiele sehen müssen, nur um zwei Buchstaben voneinander unterscheiden zu können, benötigen Kinder, wahre Experten in Sachen Lernen, für die gleiche Aufgabe nur eine Handvoll Beispiele.

Google hat mit AlphaGo eine beeindruckende Leistung abgeliefert, vor der der Hut zu ziehen ist. Besser Go spielen lernen als der Mensch kann AlphaGo deswegen aber lange noch nicht.

Mehr zur Funktionsweise von AlphaGo: heise.de, Wie Google-KI den Menschen im Go schlagen will

Linktipp: Pilotiertes Fahren auf der Autobahn

Drüben bei mobilegeeks.de hat Autoblogger Jan Gleitsmann seine Erfah­run­gen einer Probe­fahrt mit einem pilotier­ten Fahr­zeug auf der Autobahn auf­ge­schrieben. Er berichtet von seinem Selbst­versuch, mit dem Audi A7 „Jack“ pilo­tiert auf der Autobahn zu fahren und ist begeistert.

Heraus­ge­kom­men ist ein unter­haltsa­mes, lesens­wertes, weil auch umfang­reiches Stück, was über den aktuel­len Stand aufklärt und über einige feine aber wichtige Unter­schiede zwischen Fahrer­assistenz, pilo­tiertem Fahren und autono­men Fahren hinweist. Lesens­wert!

Ein Selbstversuch: Pilotiertes Fahren mit dem Audi A7 “Jack” bei mobilegeeks.de

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Sensoren im Audi A7 „Jack“

„How many robots do you have building robots?“

Eine mittlerweile beliebte Frage auf Messen und Konferen­zen, auf denen Her­steller der neuen Gene­ration kollaborativer Roboter als praxis­tauglich preisen ist: Wie viele eurer Roboter setzt ihr denn selbst bei der Her­stel­lung eurer eigenen Roboter ein?

Die Antwort war bislang in aller Regel ernüchternd: Der KUKA iiwa wird hand­gefer­tigt, Baxter habe ich bislang nicht viel mehr als das Aufheben von Objekten machen sehen (und Rodney Brooks musste die Frage auf einer Konferenz auch verneinen), und meine dies­bezüg­liche Frage beim Bosch APAS wurde auch zögerlich bis ausweichend beantwortet.

Der dänische Roboter­bauer Universal Robots, das seit einigen Jahren mit günstigen und kraft­geregel­ten Leicht­bau­robotern den inter­nationalen Roboter­markt aufräumt, scheint das nun zu ändern. Der neu vorgestellte Universal Robots UR3 ist genau für Fertigungs­arbeiten und Werkstatt­aufgaben gemacht und wird daher Univer­sal Robots eingesetzt, um Kopien von sich selbst herzustellen 1 :

“Our robots are indeed helping to build our robots.”
— Esben Østergaard, CTO und Mitgründer von Universal Robots

So sollte es sein. Wenn sie stimmt, gibt mir diese Aussage Vertrauen in die Praxis­taug­lich­keit des Roboters. Und umgekehrt: Wenn der Her­stel­ler seine Produkte selbst nicht einsetzt, warum sollte ich glauben, dass sie mir helfen können?

tl;dr: Der neue Universal Robots UR3 wird von Universal Robots beim Bau seiner eigenen Kopien eingesetzt. Und das ist gut so!

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Die Universal Robots UR10, UR5 (von rechts) und links der neue kleine UR3.

Google kauft Boston Dynamics

Bam!

Google zeigt mit Wucht, dass es sein Engagement in der Robotik offenbar ernst meint. Gestern wurde bekannt, dass Google als achte Robotikfirma innerhalb kürzester Zeit nun auch Boston Dynamics gekauft hat.

Boston Dynamics hat in den letzten Jahren durch fulminante Robotervideos auf sich aufmerksam gemacht, die eine Bewegungsdynamik zeigen, die bis dahin weitestgehend unbekannt war. Eines der beeindruckensten Videos war und ist wahrscheinlich nach wie vor eines der ersten vom BigDog:

Eines der frühen Videos von BigDog mit beeindruckender Stabilität

Dieses Video hat mich beim ersten Mal schockiert. Insbesondere die Szene ab Minute 0:52, bei der BigDog auf Eis ausgleitet. Ich sah ein Robotervideo und mein Hirn signalisierte in dieser Szene, dass es auf ein lebendiges Tier blickt und war einigermaßen verwirrt.

Dass Boston Dynamics diese Kompetenzen auch auf humanoide Robotik übertragen hat, macht es nicht weniger beeindruckend bzw. (je nach Perspektive) beängstigend:

PetMan

Eine Suche nach Boston Dynamics (insbesondere Youtube) fördert noch viele weitere beeindruckende Videos zutage, etwa neue Vierbeiner-Videos von Boston Dynamics WildCat:

WildCat

Nun ist es so, dass Boston Dynamics bislang primär via DARPA vom Militär gefördert war und man daher keine zuverlässigen Informationen über die Technik hinter diesen Videos und die Reproduzierbarkeit der gezeigten Fähigkeiten bekommt. Es gibt Hinweise darauf, dass einzelne Szenen der beeindruckensten Videos von Boston Dynamics gegebenenfalls eher selten / einmalig so gut aussehen und so gut funktionieren.

Mit Googles Engagement ist aber auch hier die Hoffnung, dass Boston Dynamics Schritt für Schritt weniger vom Militär abhängen wird und daher auch mehr Informationen zur Technik und der Reproduzierbarkeit der Experimente publizieren darf. Für die Robotik-Szene wäre das sicherlich ein enormer Gewinn.

Google executives said the company would honor existing military contracts, but that it did not plan to move toward becoming a military contractor on its own.

Das klingt für mich nach einer etwas verklausulierten Aussage, dass Google zwar bestehende Verträge mit dem Militär noch erfüllen will (muss), Boston Dynamics aber sukzessive aus der Milotärrobotik zurückziehen will.

Das wäre toll!

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Frühe Aufnahmen zweier BigDog-Roboter

Google macht jetzt auch Robotik

Gestern gab es einen Paukenschlag in der Robotik: Google gab bekannt, man habe sieben Robotikfirmen gekauft und habe vor, in Zukunft in Robotik zu in­ves­tie­ren. Mit Meka Robotics and Redwood Robotics zum Beispiel hat man zwei nicht ganz unbekannte Firmen der Robotik gekauft, die sich auf humanoide Ro­bo­ter und Arme spezialisieren.

Das ist insofern ein Pauken­schlag, als die Robotik bislang eigentlich nur in der Industrierobotik, (Nachtrag: der Medizinrobotik) und dem Militär einen wirklich kräftigen Markt hat. Die Servicerobotik ist noch großteils von Forschung, Prototypen und nur vereinzelt kommerziell erfolg­reichen Robotern wie dem Roomba, Pool­reinigungs­robotern o. Ä. bestimmt.

Dass ein Unter­nehmen wie Google nun diesen Markt angreift (vorerst nur als moon­shot-Projekt, also ein eher visionäres Unter­fangen), könnte der Robotik in diesem Bereich gehörigen Schub geben. Mit Googles selbst­fahren­dem Auto haben sie schließ­lich schon gezeigt, dass sie auf diesem Feld durchaus zu ernst­haften Ent­wick­lun­gen willens und in der Lage sind:

Googles selbstfahrendes Auto gibt Gas

Und mit dem initialen Kauf von sieben Robotik-Unternehmen und dem ehemaligen Android-Chef Andy Rubin an der Spitze zeigt Google, dass sie es durchaus ernst meinen.

Ich bin gespannt, was da noch kommt. Ob dies die Robotiklandschaft (also die Servicerobotik, abseits der Industrie- und Militärrobotik) verändern kann/wird?