Robotik-Blog

Roboter auf Nahrungssuche

Arne am 03.02.2009 um 13:50 Uhr - zum Artikel

Robot Technology und Cyclone Power Technology wollen einen energie-autarken Roboter bauen. Die Idee ist ein Roboter, der sich selbst Biomasse (also z. B. Holz und Pflanzen) sucht und einen Verbrennungsmotor zur Energiegewinnung in sich trägt. Die Idee verfolgt Robot Technology schon seit 2003, 2008 ist die DARPA dem Projekt beigetreten.

Eine Übersicht über die Idee und die einzelnen Hardwarekomponenten gibt es in dieser Präsentation (pdf, 2,8 MB).

Der Rumpf ist das Multifunction Utility/Logistics and Equipment Vehicle (MULE [1] ) von Lockhead Martin, die Verbrennung geschieht in der Waste Heat Engine ein 6-Zylinder-Allesfresser von Cyclone Power.

Es wurde sogar breits eine Skizze angefertigt, die allerdings nicht dem tatsächlichen Prototyen entsprechen muss:

Möglicher EATR-Prototyp, SkizzeMöglicher EATR-Prototyp, Skizze

Zu erkennen ist in dem Entwurf das MULE-Chassis, die Verbrennungsmaschine, sowie einen Greifer mitsamt Kettensäge, um die Biomasse der Maschine zuzuführen sowie offenbar eine Rampe, um iRobots PackBots [2] zu transportieren.

Optimistischen Berechnungen zufolge sollen die Roboter aus eineinhalb bis fünf Kilogramm Vegetation eine Kilowattstunde erzeugen und damit drei bis zwölf Kilometern weit fahren können. Alternativ erhält er dadurch eine Standby-Zeit von über 80 Stunden oder eine Einsatzzeit bis zu 75 Stunden. 70 kg Biomasse sollen die Robot-Plattform 160 km weiter bringen können. Die Rechnungen dürften allerdings eine gute Portion Optimismus der Projektbeteiligten enthalten.

Ist die Technik marktreif, gibt das der Idee von autonomen Robotern enormen Vortrieb. Es wirft aber gleichzeitig auch neue Fragen der Ethik auf: Darf der Roboter sich ein kleines Kätzchen mit großen Kulleraugen in den Tank schmeißen, wenn die Mission aus Mangel an Energie zu scheitern droht?

Oder Soylent Green?

1
Lockhead Martin: Multifunction Utility/Logistics and Equipment Vehicle
2
iRobot: PackBot

Ethikdiskussion zu Militärrobotern

Arne am 02.02.2009 um 22:30 Uhr - zum Artikel

Die California Polytechnic State University (Cal Poly) hat ein über 100-seitiges Dokument mit ausführlichen Betrachtungen von ethischen Fragen zum militärischen Einsatz von autonomen Robotern veröffentlicht. Der Military Robot Ethics Report umfasst 112 Seiten (englischsprachig) und trägt den Titel „Autonomous Military Robotics: Risk, Ethics, and Design“.

This report is designed as a preliminary investigation into the risk and ethics issues related to autonomous military systems, with a particular focus on battlefield robotics as perhaps the most controversial area. It is intended to help inform policymakers, military personnel, scientists, as well as the broader public who collectively influence such developments. Our goal is to raise the issues that need to be consider in responsibly introducing advanced technologies into the battlefield and, eventually, into society.

Vorwort von „Autonomous Military Robotics: Risk, Ethics, and Design“

Das Dokument beginnt mit Sachklärung und Vorstellung verschiedener bereits im Einsatz befindlicher Roboter und Robotertypen und schließt mit rechtlichen und ethischen Problemen rund um Militärrobotik.

Erstellt wurde der Bericht von der Ethics and Emerging Technologies Group, die sich mit Risiken, ethischen Fragestellungen und sozialen Auswirkungen von neuen Technologien auseinandersetzt. Dass eine solche Diskussion bewusst von wissenschaftlicher Seite durch Veröffentlichung von umfangreichem Informationsmaterial in die Öffentlichkeit getragen wird, ist der richtige Weg.

Das Dokument ist hier frei herunterzuladen: Military Robot Ethics Report (pdf, 1,9 MB).

Via KurzweilAI.net.

Bienen schlagen Maschinen in der Gesichtserkennung

Arne am 31.01.2009 um 12:23 Uhr - zum Artikel

Gewöhnliche Honigbienen schlagen in der Disziplin Gesichtserkennung alle aktuellen maschinellen Systeme. Das hat die Forschungergruppe von Dr. Adrian Dyer an der australischen Monash University herausgefunden. Die Forscher zeigen sich in ihrer Veröffentlichung beeindruckt von den Ergebnissen, die das Bienenhirn zu leisten in der Lage ist, obwohl es nur ein Zehntausenstel des menschlichen Gehirns umfasst.

Bienen können Gesichter auch in völlig unterschiedlichen, bis dahin unbekannten Ansichten erkennen. Die Bienen leisten dies durch Interpolation verschiedener Ansichten des Gesichts, also Mittelung der verschiedenen Ansichten.

Verschiedene Ansichten, Foto: monashVerschiedene Ansichten, Foto: monash

Da dies bei aktuellen Gesichtserkennern immernoch eine Schwierigkeit darstellt, äußern die Forscher die Hoffnung, dass die Ergebnisse eine Hilfe bei der Entwicklung von Gesichtserkennern sein können; [1] gerade auch, wenn diese auf minimaler Hardware implementiert werden müssen. Schließlich leisten die Bienen die Gesichtserkennung mit einem Hirn, dass mit einem Zehntausendstel des menschlichen Gehirns nicht einmal eine Million Neuronen besitzt.

Die Ergebnisse zeigen auch, wie weit wir noch von der Leistungsfähigkeit der Evolution entfernt sind. Welche absurden Blüten diese Ansicht treiben kann, ist hier zu sehen.

Mehr Details zu den Ergebnissen im zugehörigen Paper: Insect Brains Use Image Interpolation Mechanisms to Recognise Rotated Objects (pdf, 115 KB).

1
DiePresse.com: Gesichtserkennung nach dem Vorbild des Bienengehirns

Beeindruckende Performance bei Kollisionsvermeidung

Arne am 30.01.2009 um 12:13 Uhr - zum Artikel

Die californische Robotikschmiede Willow Garage stellt in einem Video ihre jüngsten Fortschritte in der Kollisionsvermeidung vor. Die Kollisionsvermeidung betrifft den Manipulator, also den Roboterarm, und zeigt eine beeindruckende Performance zur Vermeidung von Zusammenstößen in Echtzeit. [1]

Im folgenden Video ist zu sehen, wie der 7-DOF-Roboterarm [2] eine Bewegung ausführen will und dabei der Weg des Arms zur Laufzeit mit Hindernissen verstellt wird. Der Roboter ist in der Lage, zwanzig bis fünfzig mal in der Sekunde seine Wahrnehmung der Umgebung zu aktualisieren and daraufhin neue Pläne für den Weg seines Arms unter Vermeidung von Kollisionen zu entwerfen.

Wie sich der Arm mit dieser Technik um die Hindernisse und Personen herumschlängelt (zum Ende des Videos) ist wirklich cool:

Willow Garage: Dynamische Kollisionsvermeidung

Mit im Team und anfänglich links im Bild ist übrigens Radu Rusu, Doktorand an der TU München bei Prof. Michael Beetz.

Via robots.net.

1
Willow Garage: Dynamic Obstacle Avoidance Demo
2
Der Roboterarm hat insgesamt sieben Freiheitsgrade.

UC Berkeley zeigt ferngesteuerten Nashornkäfer

Arne am 29.01.2009 um 21:00 Uhr - zum Artikel

Die University of California, Berkeley zeigt einen Nashorn-Käfer dessen Nervensystem mit einer Elektronik verdrahtet ist, so dass er sich über Funk steuern lässt. [1]

Die Elektronik wird dazu schon der Larve eingepflanzt, so dass der ausgewachsene Käfer damit bereits fest verwachsen ist:

„Konstruktion“ des Cyborg-Käfers„Konstruktion“ des Cyborg-Käfers

Im folgenden, überaus bizarren Video ist zu sehen, wie der Käfer „ein- und ausgeschaltet“ wird und auf Knopfdruck Kurven fliegt. In dem Video noch in der kabelgebundenen, nicht in der aktuellen, drahtlosen Version:

Nashorn-Käfer können übrigens 3 Gramm transportieren. Abzüglich der 1,3 Gramm, die die Elektronik wiegt, kann der Käfer damit 1,7 Gramm Last transportieren. Bis man damit Passagiere durch die Luft fliegen kann, braucht es gefühlsmäßig zu viele Käfer, aber für Sensorik gibt es damit Potential. An dieser Stelle dürfte auch das Interesse des Militärs geweckt sein.

Artikel bei Technology Review. Via BotJunkie.

1
UC Berkeley: synthetic.mems.implants.for.cyborg.insects.

Oliver Brock folgt dem Ruf an die TU Berlin

Arne am 29.01.2009 um 11:38 Uhr - zum Artikel

Oliver Brock, Informatiker und weltweit anerkannter Forscher für künstliche Intelligenz, folgt dem Ruf an die Technische Universität Berlin. [1]

Brock hat ursprünglich in Berlin Informatik studiert und war danach in die USA gegangen. Dort verlässt er nun die University of Massachusetts Amherst (UMass). Möglich wurde dies durch eine Alexander von Humboldt-Professur, eine mit bis zu fünf Millionen Euro dotierte Professur, die es Wissenschaftlern ermöglichen soll, fünf Jahre lang zukunftsweisende Forschung an deutschen Hochschulen durchzuführen. [2]

Die von Oliver Brock zukünftig verfolgten Arbeiten werden der Entwicklung komplexer autonomer Robotersysteme für Alltagsumgebungen unter Verwendung von modernen Ansätzen maschineller Wahrnehmung gelten.

Prof. Dr. Olaf Hellwich, Dekan der Fakultät Elektrotechnik und Informatik.

Vieles zu Oliver Brock ist auf seiner bisherigen Homepage bei der UMass zu finden. Dort sind zu seinen Forschungsbereichen Publikationen und Videos zu finden: hier.

1
TU Berlin: Oliver Brock richtet seine Alexander-von-Humboldt-Professur an der TU Berlin ein
2
Alexander von Humboldt-Foundation: Alexander von Humboldt-Professur

Wired for War – Roboter für den Krieg

Arne am 24.01.2009 um 15:31 Uhr - zum Artikel

Roboter werden mehr und mehr vom Militär entdeckt, das gilt insbesondere für Drohnen, also unbemannte Flugzeuge, die zur Aufklärung und für Kämpfe eingesetzt werden.

Lt. Gen. Norman Seip von der US Air Force erklärt, dass bereits im folgenden Jahr mehr Drohnen als bemannte Fluggeräte angeschafft werden sollen:

Next year, the Air Force will procure more unmanned aircraft than manned aircraft. I think that makes a very pointed statement about our commitment to the future of [unmanned aircraft] and what it brings to the fight in meeting the requirements of combatant commanders.

Lt. Gen. Norman Seip – via gorobotics.net

Unabhängig von der Meinung, die man zu Robotern zum Zwecke der Kriegsführung hat, zeigt dies, wie wichtig es ist, sich mit dem Thema auseinanderzusetzen. Die von Noel Sharkey angestoßene Diskussion zu Roboterethik schießt möglicherweise etwas über das Ziel hinaus, ist aber ein guter Anhaltspunkt.

Wired for WarWired for War

Wer einen tieferen Blick in die Thematik der Militär-Roboter erhalten will, dem sei das kürzlich erschienene Buch Wired for War (Inhaltsverzeichnis und zugehörige Website) von P. W. Singer empfohlen.

A military expert reveals how science fiction is fast becoming reality on the battlefield, changing not just how wars are fought, but also the politics, economics, laws, and ethics that surround war itself.

Buchbeschreibung „Wired for War“

Frei übersetzt:

Ein Militärexperte zeigt, wie Science-Fiction zunehmend Realität in Kampfeinsätzen wird und dort nicht nur die Art zu kämpfen, sondern auch Politik, Wirtschaft und Ethik des Krieges verändert.

Box Bots werben für Amazon

Arne am 21.01.2009 um 22:08 Uhr - zum Artikel

Amazon Japan hat sich eine Roboterarmee als Marketing-Verstärkung angeschafft, sogenannte Box Bots:

Foto: flickr - GogDogFoto: flickr - GogDog

Die kleinen Roboter firmieren ursprünglich unter dem Namen Revoltech Danboards und haben von Amazon Japan einen passenden Anstrich erhalten.

Was die Maschinen so können außer mit den Augen zu leuchten, lässt sich mit eingeschränkten Japanisch-Kenntnissen schlecht herausfinden. Cool sind die Dinger in jedem Fall, und hier für umgerechnet ca. 19 Euro pro Stück zu bestellen.

Via robots.net.