Autonome Robotik

Seaglider sucht nach Walen

Arne am 17.11.2009 um 19:37 Uhr - zum Artikel

SeagliderSeaglider

Bis zu zehn Monate kann der Unterwasserroboter Seaglider autonom, ohne Hilfe und ohne Energie nachzutanken durch den Ozean schwimmen. Auf der Suche ist er dabei nach Schnabelwalen, kleinen Delfin-ähnlichen Walen, und deren Gesang.

Der Seaglider zieht seine Bahnen durch den weiten Ozean rund um Hawai und kann so bis zu 4600 Kilometer alleine schwimmen und bis zu 650 Tauchgänge in Tiefen bis zu 1000 Metern absolvieren. Er soll dabei den Gesang der Schnabelwale aufzeichnen. Im Vergleich zu dem Gesang von zum Beispiel Buckelwalen ist der Gesang der Schnabelwale nämlich deutlich hochfrequenter und breitet sich daher nicht so weit aus und ist nur aus geringer Entfernung wahrzunehmen. Der Seaglider kann die Wale aber in Ruhe aufspüren und ihnen im richtigen Abstand folgen, um die Gesänge aufzuzeichnen. Immer wieder taucht der Seaglider an die Oberfläche, um Kontakt via Satellit aufzunehmen und dabei Ergebnisse zu melden und neue Instruktionen aufzunehmen.

Der Roboter wurde von iRobot und der University of Washington konstruiert. Geld und Ideengeber ist das Office of Naval Research, das im Namen der United States Navy wissenschaftliche Forschung durchführt. Das Projekt läuft vorerst für 20 Tage und ist mit 1,5 Millionen US-Dollar finanziert.

Ich musste eine Weile überlegen, bis ich darauf kam, woran mich der Seaglider erinnert: die Sonde aus Star Trek IV: Zurück in die Gegenwart.

Der Seaglider bei iRobot.

Via Planet Robotics.

Seaglider zerlegtSeaglider zerlegt

Robotik 2010 in München

Jörn am 16.11.2009 um 22:03 Uhr - zum Artikel

Vom 7. bis zum 9. Juni 2010 finden in München gleich drei Robotik-Veranstaltungen parallel statt. Wissenschaftler und Anwender aus der ganzen Welt treffen sich beim 41st International Symposium on Robotics (ISR 2010) und der 6th German Conference on Robotics (ROBOTIK 2010). Begleitet werden die beiden Konferenzen von der internationalen Fachausstellung AUTOMATICA.

Die Geschichte der ISR reicht bis in die frühen Tage der ersten Industrieroboter zurück. Sie ist die weltweit älteste Konferenz zum Thema Robotik. Die ROBOTIK hingegen ist eine vergleichsweise junge Veranstaltung. Sie wird von der Deutschen Gesellschaft für Robotik ausgerichtet. Seitdem sie im Jahr 2000 in Berlin zum ersten Mal stattfand, stellt sie im zweijährigen Rhythmus die größte nationale Konferenz rund um das Thema Robotik dar. Mehr zu der kombinierten Veranstaltung ist auf den offiziellen Seiten der Konferenzen zu finden.

Die AUTOMATICA ist eine internationale Fachmesse, auf der im zweijährigen Rhythmus Innovationen im Bereich der Mechatronik und Automatisierungstechnik vorgestellt werden. Neben Herstellern, Anwendern und Dienstleistern aus der Robotik sind auch Austeller aus den Bereichen der industriellen Bildverarbeitung, der Sensorik, der Sicherheits-, Steuerungs- und Antriebstechnik auf der Messe vertreten. Die AUTOMATICA ist nach Angaben der Ausrichter die Automationsmesse mit dem weltweit größten Robotik-Angebot [1] .

1
AUTOMATICA: Messekonzept

Robotik-Kalender für 2009 und 2010 aktualisiert

Arne am 15.11.2009 um 16:52 Uhr - zum Artikel

Hier auf botzeit.de findet man seit einiger Zeit einen Robotik-Kalender, der kommende Veranstaltungen (also Konferenzen, Messen, Wettbewerbe, etc. …) rund um die Robotik ausweist. Der Fokus der hier ausgewiesenen Veranstaltungen liegt auf den großen Konferenzen wie ICRA und IROS, sowie auf Veranstaltungen im deutschsprachigen Raum.

In den letzten Tagen wurde der Kalender aktualisiert und weist bereits die wichtigsten Konferenzen im Jahr 2010, sowie außerdem noch zwei kommende Veranstaltungen diesen Jahres aus.

Robotik-Veranstaltungskalender bei botzeit.deRobotik-Veranstaltungskalender bei botzeit.de

Den Kalender kann man genau wie diesen Blog hier auch via RSS-Feed abonnieren, um über neu hinzugefügte Veranstaltungen auf dem Laufen gehalten zu werden. Wenn Interesse besteht, könnte ich mich auch darum bemühen, dass der Kalender im iCalendar-Format [1] heruntergeladen werden kann.

Die hier angegebenen Veranstaltungen sind nur eine Essenz hunderter, interessanter Veranstaltungen gemäß oben angebenem Fokus. Eine weit größere Auswahl von Veranstaltungen, bietet die Website WikiCFG. Dort können die Veranstaltungen nach Kategorien sortiert werden und werden regelmäßig von den Betreibern aktualisiert.

Nachtrag: Der Kalender kann ab jetzt im ics-Format heruntergeladen und in die eigene Kalender-Software importiert werden: robotik.ics. Die Datei ist jederzeit auf dem aktuellen Stand und synchron mit dem hier angezeigten Kalendar.

1
Das iCalendar-Format ist ein offener Standard zum Austausch von Kalenderdaten, der von den meisten Kalenderprogrammen problemlos importiert werden kann.

[Linkdump] 8. November 2009

Arne am 08.11.2009 um 12:12 Uhr - zum Artikel

Robotische Links der vergangenen Tage. Der Geist von Berlin, Nanotechnologie, Roboter-Armeen und olympische Spiele:

  1. Das iPhone sitzt am Lenker
    (Die Zeit, Video, 26. Oktober 2009)
    „Ein weißes Fahrzeug rollt heran. Ohne Fahrer, wie von Geisterhand gesteuert. Von einem iPhone, um genau zu sein. Das drückt und dreht der Berliner Wissenschaftler mit chinesischen Wurzeln Miao Wang und steuert so Gas- oder Bremspedal sowie das Lenkrad der «Spirit of Berlin».“ Über ein Versuchsfahrzeug der FU Berlin, das von außen mit einem iPhone ferngesteuert wird.

  2. Robot armies will explore alien worlds
    (Telegraph, Tom Chivers, 28. Oktober 2009, englisch)
    „Robotic airships and satellites will fly above the surface of the distant world, commanding squadrons of wheeled rovers and floating robot boats“. Artikel über die Visionen von Wolfgang Fink des California Institute of Technology (Caltech) zur Erkundung fremder Welten durch Roboter.

  3. Nanotechnologie – Vormoderner Populismus im futuristischen Gewand
    (Spiegel Online, Joachim Schummer, 4. November 2009)
    „Ist die Nanotechnologie [...] wirklich eine einheitliche Technik, die einen eigenen Namen verdient, oder eher ein Bündel ganz verschiedener Techniken? Ist die Nanotechnologie überhaupt eine Technik, oder vielmehr eine Idee über Technik, die [...] weltweit binnen weniger Jahre kopiert wurde?“. Joachim Schummer über Idee, Entwicklung des Begriffs und mögliche Folgen der Nanotechnologie.

  4. Wie Roboter Gelähmte laufen lassen
    (der Westen, Marco Virgillito, 4. November 2009)
    Ein Artikel über den Lokomat, eine Therapiemaschine zum (Wieder-) Erlernen des Laufens, und Forschung zur Mensch-Maschine-Schnittstelle. „Therapiemaschinen sollen den Therapeuten nicht ersetzen, sondern sein Tätigkeitsspektrum erweitern“.

  5. China will Olympische Spiele für humanoide Roboter starten
    (Spiegel Online, Joachim Schummer, 4. November 2009)
    China hat die Idee, nach dem Vorbild des RoboCup olympische Spiele für humanoide Roboter zu starten. Starten sollen 2010 insgesamt 16 Wettbewerbe in 5 Kategorien: Leichtathletik, Ballspiele, Kampfspiele, Tanz und Dienstleistungen.

Korrektur: Das Fahrzeug Spirit of Berlin gehört natürlich zur FU Berlin, nicht zur TU Berlin, wie vormals hier geschrieben. Dank an Stefan für den Hinweis.

Die Entwicklung von ASIMO

Arne am 07.11.2009 um 15:23 Uhr - zum Artikel

Gerade beim Stöbern gefunden: Die Entwicklung und Geschichte von ASIMO in einem Bild. Der heutige ASIMO mit seinen zehn Vorfahren neben sich aufgereiht:

ASIMO und seine Vorfahren. Foto: HondaASIMO und seine Vorfahren. Foto: Honda

Gut sichtbar ist, welch große Rechner die ersten Versionen mit sich trugen, um den kompliziertes Bewegungsauflauf zu regeln. Ich hoffe, die Größenentwicklung der drei letzten ASIMOs wird nicht fortgeführt.

Dass in Kürze eine neue Version vorgestellt wird, ist übrigens nicht gänzlich unwahrscheinlich, da Honda wahrscheinlich auf die jüngsten Fortschritte von zum Beispiel Toyota antworten will.

Abbildung via KY drives.

Nachtrag: BotJunkie hat nochmal größere Bilder aller einzelnen Vorfahren aufgetan.

[Linkdump] 30. Oktober 2009

Arne am 30.10.2009 um 16:40 Uhr - zum Artikel

Robotische Links der vergangenen Tage: Pflegeroboter, das Bewusstsein von Siliziumchips, ein voller Einkaufskorb und viel Augmented Reality.

  1. Vom mechanischen Löwen zum Roboter
    (SF Tagesschau, Video, 26. Oktober 2009)
    „Wer die Geschichte der Maschinen von Leonardo Da Vincis mechanischem Löwen bis zu den heutigen High-Tech-Robotern erleben will, reist dieser Tage nach Lugano.“ Video zur Ausstellung Mensch und Maschine.

  2. Noch langer Weg zum perfekten Pflegeroboter
    (futurezone@ORF, 29. Oktober 2009)
    Mit dem Sehen haben die Wissenschafter schon ihre liebe Not. Erhält eine Maschine etwa den Auftrag, den Inhalt eines Einkaufskorbes in der Küche zu verstauen, so funktioniert es mit einigen wenigen Gegenständen, so Vincze. Ein voller Korb überfordert dagegen Seh- und Aufnahmevermögen des Roboters.

  3. Künstliche Intelligenz – Chauvi gegen Chip
    (Spiegel Online, Ulrich Walter, 29. Oktober 2009)
    „Würden Sie einem extrem intelligenten Computer oder gar Leben auf Basis von Siliziumchips mehr oder weniger Bewusstsein zugestehen als belebten Wesen wie Schlangen, Fledermäuse oder Schimpansen?“ Die Antworten waren eindeutig: 68 Prozent hielten Schlangen, 85 Prozent Fledermäuse und gar 97 Prozent Schimpansen für bewusst. Die Mehrheit hingegen wollte weder einem superintelligenten Computer noch einem dem Menschen identisches Gehirnprogramm, kopiert auf einen Chip, Bewusstsein zubilligen.

  4. Augmented Reality – Produktivität in neuer Dimension?
    (imgriff.com, Thomas Mauch, 28. Oktober 2009)
    „Augmented Reality wird das Buzzword des Winters werden. iPhone und Konsorten sind die eigentlichen Treiber dieser Welle. Was aber bedeutet diese «verbesserte Realität» für unsere tägliche Arbeit? Birgt sie ungeahntes Produktivitätspotenzial?“ Zusammenstellung einiger aktueller Augmented-Reality-Anwendungen.

  5. iRobot baut Roboter für das Gesundheitswesen
    (Golem, Werner Pluta, 30. Oktober 2009)
    „Robots are not smart enought to make life or death decisions.“ Interview mit iRobot-Chef Colin Angle anlässlichd er Ankündigung von iRobot, Roboter für das Gesundheitswesen zu bauen.

Roboter: Ropid

Arne am 30.10.2009 um 16:40 Uhr - zum Artikel

ROPIDROPID

ROPID ist ein noch junger, humanoider Roboter, der in diesem Monat von Tomotaka Takahashi von der Kyoto University vorgestellt wurde. Ropid ist 38 Zentimeter hoch und sein Gewand aus Karbonfaser und Plastik gefertigt.

Seine Fähigkeiten übersteigen die Fähigkeiten anderer Humanoider seiner Klasse nicht erheblich, im Wesentlichen bietet er die typischen Bewegungsabläufe. Er kann zwar 8 Zentimeter hoch hüpfen, die Behauptung des Bauers, er könne laufen/rennen, kann das Video jedoch nicht bestätigen. Selbst bei der hektischen Bewegung, die zu sehen ist, fehlt das wesentliche Element von Laufen/Rennen: Dass nämlich für eine zumindest kurze Zeitspanne beide Füße den Kontakt zum Boden verlieren. Im Video ist das nicht zu sehen:

Demonstration von Ropid

Auch wenn die Bewegungsfähigkeit an die Fähigkeiten der Konkurrenz erinnern, hebt sich Ropid etwas ab. So ist er etwas schneller als seine Kollegen, einen weiteren, großen Teil macht aber sicher sein Gesicht aus, mit den leuchtenden Augen und der niedlichen Schnute. Die Art und Weise, wie er Sprachkommandos mit einem Aufleuchten der Augen, Nicken und einer Antwort quittiert, ist ganz vorzüglich. Ich mag besonders, wie er nach Ausführung eines Kommandos wieder seinen Befehlsgeber ansieht, um die nächste Aufgabe entgegenzunehmen.

Solche kleinen, kommunikativen Gesten des Roboters sind keine großen Schritte in technischer Hinsicht, sind aber Elemente, die in der Servicerobotik, also bei dem Kontakt zwischen Robotern und Menschen, bisweilen mehr bewirken, als technische Lösungen. Sie können die Akzeptanz eines Roboters enorm erhöhen. Da kann man auch die zwischenzeitliche Schwerhörigkeit von Ropid gut verzeihen, die einer offenbar noch nicht ganz ausgereiften Spracherkennung oder der Geräuschkulisse während der Vorführung geschuldet sein dürfte.

Insgesamt einer toller, kleiner Roboter, der viel Spaß beim Zusehen und sicher auch beim Arbeiten macht.

Via engadget German. Weitere Bilder bei Robot Watch.

Zweibeiner PetMan von Boston Dynamics

Arne am 27.10.2009 um 15:49 Uhr - zum Artikel

Boston Dynamics hat bereits vor einiger Zeit mit BigDog beeindruckt, einem vierbeinigem Roboter, der sich beinahe furchterregend echt bewegt und vierbeinig durch die verschiedensten Gelände trabt.

Boston Dynamics stellt jetzt die nächste Laufmaschine vor: PetMan. Nicht minder realistisches Laufen und, da diesmal zweibeinig, dem Menschen ähnlicher und dadurch dem Uncanny Valley sehr nahe:

PetMan auf einem Laufband

PetMan läuft 3,2 Meilen pro Stunde (etwa 5,1 Stundenkilometer). Er ist damit nicht der schnellste unter den Zweibeinern (er wird in dieser Disziplin noch von Asimo geschlagen), sein Gang ist jedoch trotzdem bemerkenswert. PetMan rollt wie der Mensch über Ferse und Fußballen ab und hat eine sehr dynamische Gangart. Wie BigDog bringt ihn auch ein Schubser nicht aus dem Gleichgewicht, er fängt sich selbstständig durch einen entsprechenden Ausfallschritt ab und läuft weiter.

Wie BigDog hat auch PetMan einen Einsatz im Militär vor sich. Anders jedoch als BigDog ist PetMan nicht als Gefährte für Soldaten gedacht, sondern soll Schutzkleidung für Soldaten testen. So soll er Schutzkleidung gegen chemische Kampfstoffe und Gifte testen. Wie realistisch er dabei die menschliche Beanspruchung der Kleidung simulieren kann, lässt sich im Video sehen. Gerade die Seitenansicht irritiert, da sich die scheinbare Lebendigkeit nicht leicht einer Maschine zuordnen lässt.

13 Monate hat Boston Dynamics an PetMan entwickelt, weitere 17 Monate folgten für Konstruktion, Inbetriebnahme und Tests. PetMan soll für seinen späteren, geplanten Einsatz natürlich noch einen Oberkörper bekommen, um den kompletten Anzug testen zu können. Damit soll er dann auch all die anderen Bewegungen machen können, die Soldaten machen: Bücken, Krabbeln, Robben, … auch Schwitzen soll PetMan können.

In dieser Anwendung, Kleidung möglichst der gleichen Belastung auszusetzen, wie sie Soldaten verursachen, ist auch die beunruhigend menschenähnliche Bewegung des Roboters begründet. Zweck ist hier eben nicht nur – wie etwa beim Asimo – das zweibeinige Laufen, sondern explizit zweibeiniges menschenähnliches Laufen. Und das ist ihnen gelungen!

Mehr zum PetMan.

Via Planet Robotics.