Autonome Robotik

[Review] Jacques Pitrat: Artificial Beings

Arne am 29.07.2009 um 22:27 Uhr - zum Artikel

Artificial BeingsArtificial Beings

Der Verlag Wiley hat mir vor einiger Zeit auf meinen Wunsch hin ein Review-Exemplar des Buches „Artificial Beings — The conscience of a conscious machine“ von Jacques Pitrat zugeschickt, das kürzlich erschienen ist. Das Buch befasst sich aus der Sicht des langjährigen KI-Wissenschaftlers [1] Pitrat mit Artificial Beings, Pitrats Bezeichnung von künstlich-intelligenten Maschinen in Abgrenzung zu Human Beings, den Menschen.

Jacques Pitrat ist ein französischer KI-Forscher, der über 20 Jahren am Centre national de la recherche scientifique an CAIA entwickelte, einem künstlichen Wissenschaftler, wie Pitrat ihn nennt. CAIA ist eine Maschine, die Probleme selbstständig und systematisch angehen und lösen soll.

Da Pitrat als Hauptentwickler von CAIA diesem System besonders nahe steht, baut er Begrifflichkeiten und Zusammenhänge und fast das komplette Buch rund um CAIA auf. Er versäumt dabei nicht, stets auch auf den allgemeinen Fall hinzuweisen, nutzt CAIA aber regelmäßig für Beispiele und um vorher geschriebenes anschaulich zu machen.

Das (englischsprachige) Buch ist mit grundlegenden Englischkenntnissen gut zu lesen. Besonders angenehm ist die präzise und vollständige Sprache von Pitrat, der jeden zentralen Begriff konkret einführt und damit den Leser nie im Unklaren lässt, was seine Formulierungen betrifft. Das ist insbesondere hilfreich, wenn es um die Unterscheidung zentraler Begriffe wie Conscience und Consciousness geht.

Das Buch beginnt bei grundlegenden Gedanken zu künstlicher Intelligenz und findet im Verlauf zu Konzepten wie Emotionen, Gewissen und Selbstbewusstsein von Maschinen, die Pitrat als essentiell für künstliche Intelligenz betrachtet.

Dabei geht Pitrat auch auf seine Entwicklungmethodik für den künstlichen Wissenschaftler CAIA ein, die er Bootstrapping Artificial Intelligence nennt. [2] Damit bezeichnet er seinen Entwicklungsprozess, bei dem er mit einer einfachen, wenig intelligenten KI startet, um in Zusammenarbeit mit dieser iterativ jeweils die nächst-bessere KI zu entwickeln − ein Prozess, den Pitrat über 20 Jahr durchführte. Einzelne Versionen von CAIA lebten dabei über einige Monate und entwickelten neue Ideen, die in die Entwicklung der neuen Versionen einflossen. Pitrat schreibt dazu, dass es seine Überzeugung ist, dass Menschen nur durch Bootstrapping mithilfe von künstlicher Intelligenz in der Lage sein werden, das komplexe Problem der Entwicklung einer künstlicher Intelligenz zu lösen. Der aufmerksame Leser wittert hier das sprichwörtliche Henne-Ei-Problem.

„Artificial Beings — The conscience of a conscious machine“ ist im März 2009 beim Wiley-Verlag erschienen, ISBN 978-1-84821-101-8. Bei Amazon als Hardcover erhältlich für 74,99 EUR: Artificial Beings. Das Buch ist durch seine klare Sprache und den verständlichen Erläuterungen von Fachbegriffe für jeden lesenswert, der in Robotik oder künstliche Intelligenz interessiert ist.

1
KI: Künstliche Intelligenz
2
Bootstrapping bezeichnet in der Informatik einen Prozess, der aus einem einfachen System ein komplizierteres System aktiviert. [Wikipedia]

Europas Plan für die Robotik

Arne am 28.07.2009 um 18:15 Uhr - zum Artikel

Im Jahr 2005 hat sich alles, was in Europa Rang und Namen in der Robotik hat, zur EUROP zusammengeschlossen. EUROP steht für europäische Robotertechnolgie-Plattform (European Robotics Technology Platform) und hat zum Ziel, eine Forschungsagenda für die Robotik in Europa auszuarbeiten. EUROP wird von der Europäischen Kommission unterstützt und hat eine wirklich beeindruckende Liste von Mitgliedern.

Am 7. Juli war es nun endlich soweit, die SRA (Strategic Research Agenda) wurde nach vier Jahren Arbeit veröffentlicht. Sie trägt den Titel „Robotic Visions to 2020 and beyond – The Strategic Research Agenda for robotics in Europe, 07/2009“ und steht öffentlich zum Herunterladen zur Verfügung: Download.

Die Agenda ist fancy bebildert und in leicht verdaulichem Englisch geschrieben. Sie zeigt zuerst denkbare Anwendungen und Einsatzbereiche für Roboter auf und gliedert das im weiteren Verlauf des Dokuments in dafür notwendige Einzelbausteine bzw. Module auf. Zum Ende steht eine einigermaßen konkrete Roadmap bis zum Jahr 2020+, die in einzelnen Bereichen der Robotik (Sensorik, Aktorik, Softwarekomponenten, ...) einen groben Zeitplan vorlegt. Die Planungen für 2020+ lesen sich dabei jedoch einigermaßen optimistisch. Werden sie erreicht, haben wir 2020 sich selbst dynamisch konfigurierende, hochgradig energie-effiziente, filigrane, lernende und autonom handelnde und planende Roboter, die über Protokollengrenzen hinweg und trotz unterschiedlicher Fähigkeiten miteinander kommunizieren können.

Wenn das so funktioniert, wird es bis dahin eine spannende Zeit mit sensationellen Neuentwicklungen. Voraussetzung dürfte sein, dass die Unternehmen, die an der Agenda mitgearbeitet haben, nicht direkt wieder auseinander gehen und aneinander vorbei entwickeln. Warten wir`s ab.

[Linkdump] 10. Juli 2009

Arne am 10.07.2009 um 18:52 Uhr - zum Artikel

Nach langer Zeit mal wieder ein kleines Lebenszeichen. Bald geht´s hier wieder weiter. Bis dahin ein paar Links:

[Linkdump] 10. Juni 2009

Arne am 10.06.2009 um 22:14 Uhr - zum Artikel

Vor einer kommenden kurzen Urlaubsauszeit nochmal schnell ein paar robotische Links der letzten Tage.

Roomba eckig und selbstständiger

Arne am 06.06.2009 um 20:57 Uhr - zum Artikel

Roomba, dem erfolgreichen Staubsaugerroboter von iRobot, stehen womöglich in naher Zukunft einige Änderungen ins Haus. Robot Stock News hat Patente von iRobot zu möglichen Änderungen aufgetan.

So ist ein Patent aus dem Jahr 2008 aufgetaucht, dass einen Roombas mit eckiger zeigt, die es dem Roomba erlaubt, auch in Ecken besser zu säubern. [1]

Eckiger Roomba, Patent von iRobotEckiger Roomba, Patent von iRobot

Inwieweit sich diese Form auf die Navigationsfähigkeit des Roombas, insbesondere das Befreien aus engen Ecken auswirkt, wird sich zeigen müssen. Dass Roomba damit auch Ecken anständig säubern kann, dürfte jedoch einige Besitzer freuen.

Ein weiteres jüngeres Patent soll Roomba noch selbstständiger machen, indem es ihm erlaubt, sich zu leeren und zu säubern. [2] Dafür hat iRobot gleich eine ganze Armada möglicher Design für Basisstationen entworfen, an denen Roomba den Staub entladen und sich reinigen kann. Eine gute Sache, die Roomba erlauben dürfte, größere Wohnungen auch ohne Anwesenheit des Herrchens vollständig reinigen zu können. Und das ist ja schließlich der Sinn der Sache. Hier einer der Entwürfe von iRobot:

Basisstation für den RoombaBasisstation für den Roomba

Via Planet Robotics.

1
Mehr zu dem eckigen Roomba gibt´s hier: iRobot Develops Square-Sided Roomba.
2
Mehr zu dem Patent gibt´s hier: iRobot Plans to Potty Train Roomba.

[Linkdump] 31. Mai 2009

Arne am 31.05.2009 um 23:16 Uhr - zum Artikel

Robotische Links der letzten Tage.

Siebenjähriger hilft der NASA

Arne am 30.05.2009 um 19:00 Uhr - zum Artikel

Der Mars-Rover Spirit hat sich vor einiger Zeit im Mars-Sand festgefahren und kommt nicht mehr frei. Der 7-jährige Julian hat nun der NASA gezeigt, wie man Instrumente kreativ einsetzt und seine Idee zur Lösung des Problems aufgemalt:

Vorschlag von Julian: Kamera-Arm benutzenVorschlag von Julian: Kamera-Arm benutzen

Julian schlägt vor, dass die NASA den Kameraarm als Stütze benutzt, um den Roboter aus dem Sand zu stemmen. Paolo Bellutta, Hauptzuständiger für das Fahren von Spirit, ist begeistert und will nun versuchen, die Idee in ähnlicher Form umzusetzen.

Via Planet Robotics.

NASA: Send your name

Arne am 29.05.2009 um 20:06 Uhr - zum Artikel

Das Jet Propulsion Laboratory der NASA erlaubt es jedem Besucher der Website, seinen Namen in eine Liste einzutragen, die in einen Chip gegossen im Jahr 2011 mit dem Mars Science Laboratory auf den Mars geschossen wird.

Dein Name auf dem Mars: Send your name