Autonome Robotik

[Linkdump] Roboter als Blumenmädchen, Zahnarzt und Segelboot

Arne am 19.01.2010 um 16:20 Uhr - zum Artikel

Robotische Links der vergangenen Tage. Ein Roboter als Blumenmädchen, ein Roboter als Zahnarzt, autonomes Segeln, ein virtueller Hörsaal und mehr. Darüber hinaus sind in den letzten Tagen wieder einige spannende Robotik-Videos dazugekommen.

Sex-Roboter
Stern.de über den angeblich ersten Sexroboter der Welt, der vor wenigen Tagen parallel zur CES auf der Erotikmesse Adult Entertainment Expo (AEE) vorgestellt wurde. „»Ich liebe es, deine Hand zu halten«, sagt der dunkelhaarige, in ein Negligé gekleidete Roboter, als seine Sensoren eine Berührung bei einer Präsentation an seiner Hand feststellten.“
Sex-Roboter für traute Gespräche
(Stern.de, AP, 13. Januar 2010)

Hochzeits-Roboter
Gizmodo schreibt die Geschichte einer Schwester, Studentin in Stanford, auf, die der Braut, einem Roboter-Fan, zur Hochzeit ein Roboter-Blumenmädchen für die Zeremonie baut. „WeddingBot (or so I call it) was built for my sister, Allegra, since she didn't know any young children to act as flower child or ring bearer.“
Robot Flower Girl Looks Adorable In Pink (englisch)
(gizmodo, Joel Johnson, 13. Januar 2010)

Zahnmedizin
Die Robotik wagt sich Stück für Stück auch in die Zahnmedizin vor. Forscher der Uni Ulm haben diesbezüglich großes vor, wie bei den VDI-Nachrichten geschrieben steht: „Automatisch setzt sich ein winziger Laserkopf in Bewegung und taucht die Zahnreihen in fluoreszierendes Licht. Verfärbungen markiert das System im µm-genauen 3D-Atlas des zerklüfteten Zahngebirges. Anhand der Koordinaten nähert sich ein zweiter Laserkopf und pickt Zahnstein und angegriffenen Zahnschmelz weg.“
Dentalroboter jagen Karius und Baktus
(VDI nachrichten, Stefan Asche, 15. Januar 2010)

Atommüll
Der Atommüll des desaströsen Enlagers Asse soll nun mit frngesteuerten Robotern geborgen. Angeblich wären auch für menschliche Arbeiter die Strahlungs-Schwellwerte noch weit unterschritten und damit harmlos, aber „nach dem Öffnen der Kammern müssen wir gegebenenfalls eine Neubewertung vornehmen“. Nunja.
Roboter sollen Atommüll aus Asse holen
(Braunschweiger Zeitung, Michael Ahlers, 15. Januar 2010)

Autonomes Segeln
Eigentlich wirken autonome Segelboote eher wie Spielerei oder maximal eine Technikdemo, ein Proof-of-Concept. Sogar Wettbewerbe für autonome Segler existieren. Das weltweit führende, österreichische Roboter-Segelboot ASV Roboat soll jetzt aber einen ernsthafteren Einsatz fahren, es soll Walpopulation im Pazifik beobachten.
Österreichisches Roboter-Segelboot wird Wale erforschen
(derStandard.at, 15. Januar 2010)

Virtuelles Lernen
Das Seminar zu Künstlicher Intelligenz an der Uni Zürich findet in einem virtuellen Raum statt und ermöglicht es so 370 Studenten aus aller Welt, daran teilzunehmen. Die Zeit berichtet über die Vorlesung und kleinere Startschwierigkeiten. „»Ups!« Thierry Bücheler, wissenschaftlicher Assistent an der Uni Zürich, hat versehentlich [das Skelett] im Boden versenkt.“
Als Avatar im Seminar
(Zeit Online, Tin Fischer, 19. Januar 2010)

Hinweise zu lesenswerten Artikeln nehme ich jederzeit gerne entgegen an botzeit@ohmpage.org.

Future Combat System wird gekürzt

Arne am 16.01.2010 um 13:27 Uhr - zum Artikel

Statt Zukunft …Statt Zukunft …

Das US-Militär kürzt sein ambitioniertes Future Combat System zugunsten der immer länger und teurer werdenden Einsätze in Afghanistan und Irak. Die jüngsten Streichungen aus finanziellen Gründen betreffen den MULE und den FireScout.

MULE war ein autonomes Lastentier, dessen Vorfahr BigDog bereits für erhebliche Aufruhr und wirklich beeindruckende Videos gesorgt hat. Der FireScout war ein geplanter, autonomer Militär-Helicopter, der seine Kollegen in der Luft, die Militär-Drohnen, mit Sicherheit in Sachen Flexibilität und Wendigkeit abgehängt hätte.

So wenig in weiten Kreisen, so auch bei mir, Militärroboter beliebt sind, so schade ist es doch um die nun fehlenden Impulse für die Robotik, die erfahrungsgemäß von militärischen Projekten ausgehen. Unter anderem wegen der enormen finanziellen Möglichkeiten und Manpower, die hinter derlei militärischen Projekten stecken.

… nur noch Modernisierung… nur noch Modernisierung

Folgerichtig zu den jüngsten Zu­sam­men­strei­ch­ung­en, die es ja auch vorher schon gab, heißt das vormalge Future Combat System jetzt nur noch Army Brigade Combat Team Modernization. Mo­der­ni­sier­ung statt Zukunft. Schade.

Die ursprünglichen ambitionierten Pläne, ein hochgradig vernetztes Team aus bemannten und unbemannten Fahr- und Flugzeugen zu Land, zu Wasser und in der Luft zu schaffen, hätte viele Herausforderungen für die Robotik bedeutet und wohl viele spannende Entwicklungen gebracht. Wieviel davon jetzt noch bei der geplanten Modernisierung des Militärs übrig bleibt, ist fraglich. Gerade weil mehr und mehr die finanziellen Möglichkeiten, naturgemäß eine der Stärken des Militärs, wegbrechen.

Via BotJunkie.

Roboterbegriff – Teil 2: Einige Definitionen

Jörn und Arne am 15.01.2010 um 00:02 Uhr - zum Artikel

Der Begriff „Roboter“ ist nicht deutlich definiert, war es noch nie und wird es vermutlich auch nie sein. Dazu werden bereits jetzt zuviele Maschinen unterschiedlicher Ausprägung, Mobilität und Autonomie als Roboter bezeichnet.

Ursprünglich entstammt der Begriff dem slawischen Wort „robota“, das Arbeit oder Fronarbeit bezeichnet … ein Roboter ist demnach also ganz allgemein ein Diener für den Menschen.

Bereits in unserem ersten Teil wurde die Schwierigkeit der Abgrenzung von Robotern gegenüber herkömmlichen Maschinen angeschnitten. In diesem Beitrag versuchen wir uns dem Roboterbegriff darüber weiter anzunähern, dass wir einige bekannte Roboter-Definitionen zusammentragen.

Es haben sich bereits etliche Wissenschaftler und Institutionen daran versucht, den Roboterbegriff in konkretere, präzisere und zeitgemäße Formen zu gießen. Längst haben Roboter eine unzählige Vielfalt an Gestalten angenommen und werden zu unterschiedlichsten Zwecken eingesetzt.

Hier also einige Definitionen, auf die man stößt:

Roboter allgemein

  1. Das Robot Institute of America sagt: „Ein Roboter ist ein programmierbares Mehrzweck-Handhabungsgerät für das Bewegen von Material, Werkstücken, Werkzeugen oder Spezialgeräten. Der frei programmierbare Bewegungsablauf macht ihn für verschiedenste Aufgaben einsetzbar.“

  2. Die deutschsprachige Wikipedia sagt: „Ro­bo­ter sind sta­tio­nä­re oder mo­bi­le Ma­schi­nen, die nach ei­nem be­stim­mten Pro­gramm fest­ge­leg­te Auf­ga­ben er­fül­len.“

  3. Die englischsprachige Wikipedia sagt deutlich ausführlicher: „A robot is a virtual or mechanical artificial agent. In practice, it is usually an electro-mechanical system which, by its appearance or movements, conveys a sense that it has intent or agency of its own. The word robot can refer to both physical robots and virtual software agents [...]. There is no consensus on which machines qualify as robots, but there is general agreement among experts and the public that robots tend to do some or all of the following: move around, operate a mechanical limb, sense and manipulate their environment, and exhibit intelligent behavior, especially behavior which mimics humans or other animals.“

  4. Auf der Website itwissen.info steht zu lesen: „Ro­bo­ter sind pro­gramm­ge­steu­er­te Ma­schi­nen für Hand­ha­bun­gen ohne mensch­li­chen Ein­griff. Die Ro­bo­ter-Steu­e­rung er­folgt durch Com­pu­ter, die mit Sen­so­ren und an­de­ren er­ken­nungs­tech­ni­schen Ele­men­ten, Be­we­gungs-, Greif-, Hal­te- und Be­ar­bei­tungs­or­ga­nen zu­sam­men­wir­ken.“

  5. Neogrid, das innovative EDV Lexikon, sagt: „Unter dem Begriff Roboter ist eine mit Sensoren ausgestattete Maschine, die selbständig, umfassende Aufgaben erfüllen kann, zu verstehen.“

Industrieroboter

Der Begriff des Industrieroboters ist etwas einfacher handhabbar, da er zum Einen nur einen Teilbegriff definiert und von zahlreichen industrienahen Organisationen und Verbänden klar definiert wurde. Zwei populäre deutsche Beispiele dafür sind:

  1. Die Deutsche Industrienorm, naturgemäß recht penibel bei Definitionen: „Ein Industrieroboter ist ein automatisch gesteuerter, frei programmierbarer […] Mehrzweck- […] Manipulator […], der in drei oder mehr Achsen […] programmierbar ist und zur Verwendung in der Automatisierungstechnik entweder an einem festen Ort oder beweglich angeordnet sein kann“ [1] (DIN EN ISO 8373)

  2. Die VDI-Richtlinie 2860 sagt: „Industrieroboter sind universell einsetzbare Bewegungsautomaten mit mehreren Achsen, deren Bewegungen hinsichtlich Bewegungsfolge und Wegen bzw. Winkeln frei (d. h. ohne mechanischen Eingriff) programmierbar und gegebenenfalls sensorgeführt sind. Sie sind mit Greifern, Werkzeugen oder anderen Fertigungsmitteln ausrüstbar und können Handhabungs- und/oder Fertigungsaufgaben ausführen.“

Spezielle Roboter und Roboterteile

Die JARA, Japan Robot Association, hat konkretere Definitionen für mehrere, verschiedene Roboterbegriffe und -teile:

  1. Manual Manipulator: Handhabungsgerät, das kein Programm hat, sondern direkt vom Bediener geführt wird.

  2. Fixed Sequence Robot: Handhabungsgerät, das wiederholt nach einem konstanten Bewegungsmuster arbeitet. Das Ändern des Bewegungsmusters ist relativ aufwendig.

  3. Variable Sequence Robot: Handhabungsgerät, wie Fixed Sequence Robot, jedoch mit der Möglichkeit, den Bewegungsablauf schnell und problemlos zu ändern.

  4. Playback Robot: Der Bewegungsablauf wird diesem Gerät einmal durch den Bediener vorgeführt und dabei im Programmspeicher gespeichert. Mit der im Speicher enthaltenen Information kann der Bewegungsablauf beliebig wiederholt werden.

  5. Numerical Control Robot: Dieses Handhabungsgerät arbeitet ähnlich wie eine NC-gesteuerte Maschine. Die Information über den Bewegungsablauf wird dem Gerät über Taster, Schalter oder Datenträger zahlenmäßig eingegeben.

  6. Intelligent Robot: Diese höchste Roboterklasse ist für Geräte gedacht, die über verschiedene Sensoren verfügen und damit in der Lage sind, den Programmablauf selbsttätig den Veränderungen des Werkstücks und der Umwelt anzupassen.

Die International Federation of Robotics weist im Vorfeld ihrer Definition von Servicerobotern erst einmal darauf hin, dass eine Definition weder leicht noch weit akzeptiert ist:

Service robots have no strict internationally accepted definition, which, among other things, delimits them from other types of equipment, in particular the manipulating industrial robot.

Versucht sich dann aber trotzdem an einer Definition:

IFR, however, have adopted a preliminary definition: A service robot is a robot which operates semi- or fully autonomously to perform services useful to the well-being of humans and equipment, excluding manufacturing operations. With this definition, manipulating industrial robots could also be regarded as service robots, provided they are installed in non-manufacturing operations. Service robots may or may not be equipped with an arm structure as is the industrial robot. Often, but not always, the service robots are mobile. In some cases, service robots consist of a mobile platform on which one or several arms are attached and controlled in the same mode as the arms of the industrial robot. Because of their multitude of forms and structures as well as application areas, service robots are not easy to define. Since 2007 a working group of ISO is revising the ISO 8373 which finally will include an official definition of service robots.

Die Definition enthält nicht umsonst vage Konstruktionen wie maybe, may or may not und not always. Wer weiß, ob die zum Ende angekündigte ISO 8373 zumindest für Serviceroboter eine konkrete Definition bieten kann.

Was tun?

Allein die genannten Definitionen zeigen eine Breite verschiedener Aspekte des Begriffs, obwohl hier aufgeführte Definitionen lediglich eine Auswahl der existierenden Definitionen darstellt. Interessant und schwierig ist dabei auch, was die englischsprachige Wikipedia als Einzige in der aufgeführten Riege zu berücksichtigen scheint: Der Begriff „Roboter“ wird mehr und mehr für reine Software-Roboter verwendet. Jegliche Definitionen, die von Maschinen oder Mechanismen reden, laufen dort ins Leere. Es scheint sich zwar herauszustellen, dass Roboter eher für die Maschine und Bot eher für reine Software verwendet wird, aber auch hier liegen noch weitere Schwierigkeiten für eine saubere Definition. Gerade weil die Fortentwicklung zukünftiger Robotergenerationen - auch der physisch präsenten - in Zukunft zunehmend durch Softwaretechnologien geprägt sein wird.

Zusammenfassend ist festzuhalten, dass primär zwei erfolgreich Ansätze unter den aufgeführten erkennbar sind:

  1. wie es die englischsprachige Wikipedia macht: Eine Reihe von Eigenschaften aufzählen, von denen ein Roboter eine, mehrere oder alle besitzen kann. Hierbei ist schwierig, nicht zu viele Eigenschaften zu nennen, so dass nicht im Endeffekt jeder Toaster und jede Lampe ein Roboter ist.

  2. sich darauf zu einigen, dass all die Dinge, die wir als Roboter bezeichnen, zu verschieden sind und man daher lieber einzelne Roboterklassen separat definiert.

Vielleicht bietet sich in Analogie zur Biosystematik bei Lebewesen eine Taxonomie oder zumindest eine Ontologie auch für Roboter an. Auf diese Weise ließen sich beide Ansätze vereinen. Auf oberster Ebene trohnt ein allgemeiner Roboterbegriff. Er ist knapp und nennt diejenigen Eigenschaften, die allen Robotern gemein ist. Dieser wird anschließend über eine hierarchische Struktur innerhalb der Systematik in feinere und präzisere mit Unterbegriffen benannte Familien und Klassen unterteilt.

Aber bis das geschehen ist, verlassen wir uns vielleicht besser auf unser ganz wunderbar arbeitendes Gehirn und halten es mit den Worten des US-amerikanischen Ingenieurs Joseph Engelberger (Entwickler des ersten Industrieroboters Unimate), der sagte:

Ich kann nicht genau sagen, was ein Roboter ist, aber ich weiß, dass es einer ist, wenn ich einen sehe.

Joseph Engelberger
1
Die Auslassungen innerhalb des Zitats nennen lediglich die Normen der jeweiligen Begriffe.

evolution robotics Mint

Arne am 08.01.2010 um 12:57 Uhr - zum Artikel

Seit seiner Vorstellung auf der CES 2010 in Las Vegas ist der Roboter Mint von evolution robotics in aller Munde und hat es sogar in Deutschland damit in die Mainstream-Presse geschafft (Zeit Online). In jedem Artikel über ihn ist er angepriesen als Konkurrenz für den iRobot Roomba und iRobot Scooba. Vermutlich, weil dies für Journalisten die einfachste Art ist, dem Leser den Roboter zu beschreiben und eine Assoziation zu geben. Ob der Mint wirklich eine ernsthafte Konkurrenz darstellt, ist aufgrund der ersten Berichte nicht ganz nachzuvollziehen (ich persönlich habe ihn noch nicht in der Hand gehalten).

Der Haushaltsroboter Mint (Foto: evolution robotics)Der Haushaltsroboter Mint (Foto: evolution robotics)

Wir wissen, dass evolution robotics in Sachen Robotik und Objekterkenung über enorme Expertise verfügt. Wir wissen auch, dass evolution robotics mit NorthStar eine lang entwickelte Lösung zur Lokalisierung [1] besitzt, die auch in dem Mint eingesetzt wird. Wie praktikabel diese Lösung aber für den unbedarften Endnutzer ist, ist fraglich.

Mit NorthStar wird über einen Infrarotprojektor ein Muster an die Zimmerdecke projiziert, über das sich der Roboter die ganze Zeit zurechtfinden kann. Der Vorteil gegenüber dem iRobot Roomba ist hier, dass der Roboter nicht in Zufallsmustern das Zimmer säubert, sondern gezielt und damit der Theorie nach effizienter und schneller das Zimmer säubern kann.

Als weitere Unterscheidung von den Haushaltsrobotern von iRobot verfügt Mint über eine Vorrichtung, um den Roboter entweder mit einem Tuch zum Staubwischen oder einem Putzlappen zum Wischen auszustatten. Die Tatsache, dass der Mint keine Saugeinheit zum Auffangen des Staubs und keinen Wassertank zum Wischen hat, sondern sich beim Säubern lediglich auf die untergeschnallten Tücher verlässt, macht mich skeptisch.

Fraglich ist außerdem, wie Mint mit mehreren Räumen zurechtkommt. Benötigt er dann einen Infrarot-Projektor pro Raum? Dass Mint nicht allein zur Ladestation zurückfährt, ist ein weiterer Punkt, der mich skeptisch macht.

Insgesamt ist es schön zu sehen, dass mehr und mehr Unternehmen in das Haushalts-Roboter-Segment einsteigen. Dass sich der Markt öffnet und der Marktführer iRobot etwas angeknabbert wird, kann nicht schaden. Inwieweit Mint sich wirklich durchsetzt, wird sich zeigen müssen. Die genannten Punkte erwecken in mir den Eindruck, dass trotz des niedrigeren Preises das Preis-Leistungs-Verhältnis hinter dem des Roomba zurücksteht. Zugegebenermaßen bin ich allerdings auch nicht ganz objektiv, da ich einen Roomba besitze und seitdem ein großer Roomba-Fan bin. Und schick ist der Mint ja zweifellos.

Der Mint in Aktion
1
Lokalisierung bezeichnet in der Robotik die Fähigkeit eines Roboters, seine Position in seiner Umgebung festzustellen. (Wikipedia)

[Linkdump] Kindergärten für Roboter und Sex mit Androiden

Arne am 07.01.2010 um 21:19 Uhr - zum Artikel

Robotische Links der vergangenen Tage und die ersten in diesem Jahr. Kindergärten für Roboter, Sex mit Androiden und der festgefahrene Mars-Rovers Spirit.

Künstliche Intelligenz
Welt.de darüber, was Roboter schon heute können und was sie möglicherweise in einigen Jahren beherrschen werden. „Forscher prophezeien, dass Menschen künftig nicht nur Sex mit Androiden haben werden, sondern dass Maschinen uns spätestens 2070 an Intelligenz übertrumpfen.“
Wenn Roboter den Menschen überflügeln
(Welt Online, Peter Singer und Agata Saga, 15. Dezember 2009)

Militär-Drohnen
Telepolis über den bereits jetzt intensiven Einsatz von Militärrobotern und den Zukunftsplänen der weltweiten Militärs. „Wir haben die letzten Jahre mehr Drohnenangriffe in Pakistan geflogen als Angriffe im ganzen Kosovo-Krieg 1999. Und trotzdem wird in unseren Parlamenten kaum darüber diskutiert.“
Asimovs Nulltes Robotergesetz ist tot
(Welt Online, Peter Singer und Agata Saga, 15. Dezember 2009)

Militär-Drohnen
„Aufständische im Irak können US-Drohnen wohl noch ein paar Jahre über die Flügel gucken.“ Die unverschlüsste Kommunikation der US-Kampfdrohnen ist in den letzten Monaten wohl regelmäßig von feindlichen Kräften abgehört worden und wird es wohl noch einige Zeit.
US-Kampfdrohnen funken bis 2014 unverschlüsselt
(Spiegel Online, Richard Meusers, 21. Dezember 2009)

Nasa-Rover Spirit
„Der Patient ist immobil, und das schon seit acht Monaten. Eines seiner sechs Gliedmaßen ist gelähmt, die fünf anderen sind halb im Sand versunken.“ Zeit Online über die festgefahrene Situation des Mars-Rovers Spirit und die Bemühungen der NASA, den Rover zu befreien.
Therapie im Sand
(Zeit Online, Harro Albrecht, 6. Januar 2010)

Zukunftsvisionen
Zukunftsvisionen zu Robotern in der F.A.Z. (im dritten Teil des Artikels). „Palzkill [hält] nicht sehr viel davon, Robotern ein menschenähnliches Aussehen zu geben. Er sagt, dass wir dann auch menschliche Erwartungen an die Maschine stellen und sie damit überfordern würden.“
Klima – Menschen – Roboter – Wie sieht meine Zukunft aus?
(F.A.Z., Lukas Hof, 20. Dezember 2009)

Maschinenlernen
„Roboter werden in Zukunft wie Kleinkinder selbständig lernen, sich in ihrer Umwelt zu bewegen.“ In der Computerwelt spricht Michael Zillich, Projektassistent am Institut für Automatisierungs- und Regelungstechnik der TU Wien, über seine Vorstellungen vom maschinellen Lernen in der Zukunft. „Vorbild dafür sind Kinder, die ihre Fähigkeiten durch Ausprobieren und Lernen nach und nach entwickeln.“
Kindergarten für Roboter
(Computerwelt, Rudolf Felser , 21. Dezember 2009)

Hinweise zu lesenswerten Artikeln nehme ich jederzeit gerne entgegen an botzeit@ohmpage.org

Roboterbegriff – Teil 1: Schon ein Roboter oder doch nur ein ferngesteuertes Auto?

Arne am 15.12.2009 um 20:08 Uhr - zum Artikel

Was macht eigentlich einen Roboter aus? Aus welchen Komponenten muss er bestehen? Was muss er können, damit sich ein Roboter auch Roboter nennen darf? Welche Arten von Robotern gibt es und woran sind sie zu unterscheiden?

Einen Roboter haben wir alle schonmal gesehen. Die meisten Roboter würden wir auch als solche erkennen, wenn wir sie zum ersten Mal in Aktion erleben oder auch nur ein erstes Bild von ihnen sehen. Wir haben ein wages Bild von einem Roboter in unseren Köpfen. Aber wer von uns könnte eine präzise Definition des Begriffs „Roboter“ formulieren? Für die meisten Robotik-Enthusiasten mag diese Fragestellung wie eine belanglose Spitzfindigkeit erscheinen. Wer allerdings beruflich mit Robotern zu tun hat, wie beispielsweise Wissenschaftler oder Journalisten, der wird seine Worte mit Bedacht wählen. Es besteht die Gefahr, dass womöglich einer Maschine Fähigkeiten oder Eigenschaften zugesprochen werden, über die sie garnicht verfügt. Im Extremfall stellt sich die Frage, wer die Verantwortung für das „Handeln" eines Roboters trägt.

Ein paar gelagerte Achsen, ein Elektromotor, ein Akku und ein paar knackende So­nar­sen­sor­en machen noch lange keinen Serviceroboter. Ein Kette von Elektromotoren und Metallkörpern ist nicht immer gleich ein Manipulator oder ein Industrieroboter.

In der Vergangenheit ist „Ethik in der Robotik" bereits mehrfach ein Thema auf Botzeit gewesen. Gerade in diesem Themenfeld wird der Bedarf eines bewussten Umgangs mit dem Roboterbegriff besonders deutlich. Überspitzt formuliert geht es darum, ob eine Drohne, die dazu benutzt wird im Kampfeinsatz entfernte Ziele anzugreifen, bereits ein an der Front kämpfender Roboter ist. Oder handelt es sich vielmehr um den kriegerischen Gebrauch extrem teurer ferngesteuerter Modellflugzeuge?

Es wird interessant sein, zu beobachten, wie die Medien in Zukunft mit dieser Begrifflichkeit umgehen werden. In welchen Zusammenhängen sie von Robotern oder von ferngesteuerten Maschinen berichten werden und wie dies unser persönliches aber auch gesellschaftliches Bild von Robotern prägen wird.

Sicherlich kann dieser Blogeintrag nicht all die genannten Fragen beantworten. Er soll den interessierten Leser zum Nachdenken anregen und als Ankündigung dienen, dass in Zukunft weitere Einträge in diesem Kontext folgen werden. Soviel sei verraten: Es wird in jedem Fall eine Sammlung häufig angewendeter Roboterdefinitionen geben.

[Linkdump] Herzchirurgie, Unterwasser- und Leichtbaurobotik

Arne am 11.12.2009 um 13:09 Uhr - zum Artikel

Robotische Links der vergangenen Tage. Das Biest von Kandahar, weiße Extrabeine, Scarlet Knight, Roboter mit Herzrythmus und Leichtbaurobotik.

Roboterethik
Der Tagesanzeiger diskutiert die Frage, wer haftet, „wenn mir ein Roboter den Fuss bricht“. Wissenschaftler diskutieren über die möglichen Folgen und Verantwortlichkeiten intelligenter werdender Roboter und kommen zu dem Schluss, das wir Ethik auch für Roboter benötigen.
Und wenn mir ein Roboter den Fuss bricht?
(wissenschaft.de, Jessica von Ahn, 23. November 2009)

Herzchirurgie
Ein neu entwickelter Roboter erstellt ein detailliertes 3D-Modell des Herzens und kann dadurch synchron mit dem Herzschlag operieren. Das Herz muss dadurch nicht mehr für den Eingriff stillgelegt werden, wie bislang erforderlich. Die Entwickler gehen davon aus, dass sich ihre Neuentwicklung auch für Gehirnoperationen eignet.
Roboter operiert am offenen Herzen
(Focus Online, 11. Dezember 2009)

Technik aus Japan
„Nakamura hat zwei weiße Extrabeine an Hüfte und Füße geschnallt. Sensoren registrieren ihre Muskelbewegungen, Motoren bewegen die Stelzen und unterstützen ihre Schritte.“ Zeit Online über Japans Robotik-Lösungen für die kommenden demo­grafischen Probleme.
Mit Robotern alt werden
(Zeit Online, Kai Biermann, 10. Dezember 2009)

Tarnkappen-Drohne
„Jahrelang hatte die US-Luftwaffe dieses Flugzeug geheim gehalten – bis es von einem Luftfahrt-Blogger enttarnt wurde“. Die USA setzt in Afghanistan eine Drohne mit Tarntechnik ein, die aufgrund ihrer langen Geheimhaltung den abenteuerlichen Namen Das Biest von Kandahar erhielt. Nach Veröffentlichung neuer Fotos hat die US-Luftwaffe den Einsatz öffentlich eingeräumt.
Das Biest von Kandahar
(Spiegel Online, Matthias Kremp, 6. Dezember 2009)

Leichtbaurobotik
Im Mercedes-Benz-Werk Untertürkheim sind die ersten Leichtbau-Roboter im Serieneinsatz der Automobilindustrie. „Der Leichtbauroboter bietet neue Möglichkeiten für die wandlungsfähige Montage.“ Das Projekt ist ein gemeinsames Ent­wick­lungs­pro­jekt von Daimler, dem Deutschen Zentrum für Luft- und Raumfahrt und der Kuka Roboter GmbH.
Leichtbauroboter montieren mit Gefühl
(MaschinenMarkt, Rüdiger Kroh, 7. Dezember 2009)

Unterwasserrobotik
Der torpedo-förmige Roboter Scarlet Knight hat in 225 Tagen die Strecke USA-Spanien (ca. 7400 Kilometer) in 200 Metern Tiefe zurückgelegt, um dabei Daten wie Temperatur und Salzgehalt zur Analyse des Weltklimas zu sammeln.
Dieser Torpedo durchquerte den Atlantik
(Blick, Cilgia Grass, 10. Dezember 2009)

Hinweise zu lesenswerten Artikeln gerne jederzeit an botzeit@ohmpage.org

Warnung vor Roboter-Apokalypse

Arne am 10.12.2009 um 12:48 Uhr - zum Artikel

Via Planet Robotics bin ich auf einen Blogeintrag von BotJunkie gestoßen, der bei CNN eine wunderbaren Warnung von Wissenschaftlern aus dem Jahr 1998 gefunden hat. Die Wissenschaftler warnen eindringlich vor einer kommenden Ro­bot­er­a­po­ka­lyp­se, die da schneller kommen wird, als gedacht.

Within a few minutes, [a] microprocessor based robot can learn not to bump into a barrier. No one programs the robot’s actions, and its creator isn’t exactly sure how it will behave in any given situation.

Within 10 years, they predict that similar but more advanced machines, equipped with artificial intelligence, will be as clever as humans. Soon after, they say, the man-made objects could become more intelligent than their creators — and capable of taking over.

“Next century’s global politics will be dominated by the question of should humanity build ultra-intelligent machines or not,” said Hugo de Garis, who’s already created an artificially intelligent machine.

Er hat im Prinzip recht: Ein Roboter, der maschinell lernt, wie er sich zu verhalten hat und es nicht einprogrammiert bekommt, ist mitunter nicht mehr vollständig in der Hand des Erschaffers. Das Lernen kann überwacht werden, häufig ist das Ergebnis des Lernens allerdings nicht mehr einfach verständlich oder interpretierbar und damit nicht exakt vorhersagbar. Aber ist das Grund zur Panik?

Ein weiterer der Wissenschaftler, Kevin Warwick, lässt sich sogar zu der Aussage hinreißen, er sehe keinen Grund, warum Roboter nicht „in den nächsten 20 bis 30 Jahren intelligenter sein werden als Menschen“. Da diese Aussage von 1998 stammt, haben wir heute nur noch 10 bis 20 Jahr bis zur Versklavung durch intelligente Roboter.

“We could never be sure these artellects, as we call them — artificial intellects — wouldn’t decide that humanity is a pest and try to exterminate us, and they’d be so intelligent they could do it easily,” de Garis said.

“We’re talking in the future the end of the human race as we know it,” Warwick said.

Ganz schön harte Aussagen von Wissenschaftlern, die auf diesem Gebiet tätig sind. [1] Erstaunlich panische Aussagen, bedenkt man, dass einige führende Wissenschaftler der Künstlichen Intelligenz zur Zeit eher formulieren, dass sie noch kein wirkliches Licht am Horizont sehen, was tatsächliche künstliche Intelligenz anbelangt.

Naja, vieleicht sollten wir alle trotzdem so langsam in geordnete Panik verfallen.

1
Hugo de Garis ist Professor für künstliche Intelligenz und arbeitet zur Zeit am China-Brain Project, das ein künstliches Gehirn erschaffen soll. Kevin Warwick ist Professor für Kybernetik in Großbritannien an der University of Reading.